Lob und Kritik

NRW forciert Ausbau der Windkraft: Erneuerung alter Anlagen

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen fördert ab sofort die Windkraft. Der Anteil der Windenergie soll bis 2020 auf 15 Prozent steigen. Damit das funktioniert sollen aber keine Tausende neue Windräder aufgestellt werden, sondern auch alte Anlagen ersetzt werden.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Düsseldorf (dapd/red) - Per Erlass fördert Nordrhein-Westfalen seit Montag den Ausbau der Windkraft. Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) sprach von einem "Neuanfang" für die Windenergie in NRW. Strenge Vorschriften und Verbote der CDU/FDP-Vorgängerregierung fallen mit dem Erlass weg. Ziel sei es, die Stromerzeugung aus Windenergie in NRW bis 2020 von drei auf 15 Prozent zu erhöhen, sagte Remmel. Kritik an der Neuordnung kam von der FDP, Lob von der CDU.

In der Regel gibt es damit ab sofort keine Höhenbegrenzungen mehr für Windräder. Die Zahl der derzeit 2.800 Windkraftanlagen dürfte steigen. Unter bestimmten Bedingungen können Windräder auch in Waldgebieten gebaut werden.

Keine 5.000 Windräder zusätzlich

Eine Modernisierung vorhandener Anlagen (Repowering) soll nach Angaben Remmels verhindern, dass der Ausbau einen allzu starken Anstieg der Zahl der Windräder mit sich bringt. "Horrorzahlen" von zusätzlichen 4.000 bis 5.000 Anlagen lägen weit jenseits der Realität, betonte der Minister auf Nachfrage.

"Repowering"

Zentraler Bestandteil der Windenergiepolitik in NRW ist das Repowering. Dabei werden alte Anlagen durch neue effiziente und leistungsstarke Anlagen am gleichen Standort ersetzt. Schon allein damit kann es gelingen, den Anteil der Windenergie an der erzeugten Strommenge deutlich zu erhöhen.

Die rot-grüne Landesregierung will die Treibhausgasemissionen in NRW bis 2020 gegenüber 1990 um mindestens 25 Prozent verringern, bis 2050 um mindestens 80 Prozent. Deshalb fördert das Land die Windkraft und andere erneuerbare Energien.

Durch die Streichung von Höhenbegrenzungen und angemessenen Abstandsvorgaben für Windräder heble Rot-Grün die kommunalen Mitbestimmungsmöglichkeiten systematisch aus, sagte der Umweltexperte der FDP-Landtagsfraktion, Kai Abruszat. Der Schutz der Anwohner vor Lärm, Schattenwurf und der bedrängenden Wirkung von Windkraftanlagen mit Ausmaßen wie der Kölner Dom müssten allerhöchste Priorität haben.

Lärmschutz werde berücksichtigt

Remmel wies die Kritik zurück. Dem Lärmschutz werde weiter Rechnung getragen, sagte der Minister. Das Ausbauprogramm trage außerdem zu einer "Re-Industrialisierung" bei. Schon jetzt würden in NRW Getriebe für Windkraftanlagen in aller Welt hergestellt. Rund 2.800 Windkraftanlagen produzierten mittlerweile fast 40 Prozent des regenerativ erzeugten Stroms in Nordrhein-Westfalen. Mit 26.000 Beschäftigten erwirtschaftet die Branche mehr als acht Milliarden Euro.

Lob kam vom Präsidenten des nordrhein-westfälischen Landkreistags, dem Steinfurter Landrat Thomas Kubendorff. Der CDU-Politiker begrüßte die Reform bei der Pressekonferenz mit Remmel ausdrücklich. Der Kreis Steinfurt ist Vorreiter bei der Windenergie. Schon heute produzieren 250 Windkraftanlagen in dem münsterländischen Kreis 16,5 Prozent des dort verbrauchten Stroms.