RWE-Kraftwerkspläne

NRW: 3000 demonstrieren gegen Braunkohlkraftwerke

Rund 3000 Menschen haben am Samstag vor dem im Bau befindlichen Braunkohlekraftwerk in Grevenbroich für eine neue Klimapolitik demonstriert. Damit wollten die rund 80 in der Klimaallianz NRW zusammengeschlossenen Verbände und Organisationen ihre Forderung nach einem Baustopp für Kohlekraftwerke bekräftigen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Grevenbroich (ddp-nrw/sm) - Die Vorsitzenden der NRW-Grünen, Daniela Schneckenburger und Arndt Klocke, werteten die Demonstration als Erfolg für die Klimaschutzbewegung. Die Herausforderung dieses Jahrhunderts, der Klimaschutz, dürfe nicht allein den Regierungen überlassen werden. Eine starke Bürgerbewegung müsse die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft dazu bringen, auf den Bau neuer Kohlekraftwerke zu verzichten und den Umstieg auf alternative Energien zu ermöglichen.

Vor den beiden bestehenden RWE-Braunkohlekraftwerken Frimmersdorf und Neurath kritisierten Redner, dass allein diese beiden Kraftwerke alljährlich fast 40 Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid in die Luft abgeben - ein Viertel der kraftwerksbedingten CO2-Emissionen in Nordrhein-Westfalen. Insgesamt sei allein RWE im Rheinland für den Ausstoß von 96 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich verantwortlich.

Das jetzt in Bau befindliche Braunkohlekraftwerk Neurath werde ab 2010 insgesamt mehr als 35 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich in die Luft blasen. Neurath würde so zum "größten Klimakiller Europas" werden.

Die Redner der Klimaallianz NRW forderten die Politik auf, ein Moratorium beim Bau von Kohlekraftwerken durchzusetzen. Zudem müsse sofort ein schlüssiges Konzept zur Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen um 80 Prozent bis zur Mitte des Jahrhunderts erarbeitet und umgesetzt werden.

Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums verwies auf das Engagement der Landesregierung für den Einsatz erneuerbarer Energien und die Ausmusterung ineffizienter Alt-Anlagen. Gerade beim Thema Energiesparen sehe man noch viele Potenzial bei der Bevölkerung.

Die RWE wies die Kritik an ihren Kohlekraftwerken zurück. "Wir sehen mit Sorge, dass die Kohle ins Zwielicht gerückt wird, obwohl sie zur Verringerung von klimaschädlichen Emissionen einen wertvollen Beitrag leisten wird", erklärte der Vorstandsvorsitzende der RWE Power AG, Ulrich Jobs. Schon heute sei Strom ein knappes Gut. Die Versorgung müsse gesichert und die Umwelt mit der bestmöglichen Technik geschützt werden. "Ohne die Kohle können jedoch die gewaltigen Herausforderungen der Zukunft nicht bewältigt werden. Wir brauchen sie", betonte Jobs. 70 Prozent aller Kraftwerke, die weltweit im Bau seien, würden auf Kohlebasis arbeiten. Zudem sparten neue Kohlekraftwerke im Vergleich zu Altanlagen bis zu 30 Prozent Kohlendioxid ein.