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Novo: Alte Zöpfe in neuem Gewand

Nichts wirklich Neues bietet das vielgelobte und dennoch bisher weitgehend unbekannte Magazin Novo in seiner aktuellen Ausgabe mit dem Leitthema Energieversorgung. Überraschende und unbequeme Sichtweisen wurden uns versprochen. Wir haben sie nicht gefunden, empfehlen den Kauf aber trotzdem.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Frankfurt (red) - Die momentan noch recht unbekannte Zwei-Monats-Zeitschrift "Novo" hat sich in ihrer aktuellen Ausgabe (Nummer 81) intensiv mit dem Thema Energieversorgung, hier "Energieverschwendung" genannt, beschäftigt. Das schwarz-gelbgestreiften Cover mit dem plakativen Aufdruck "Achtung! Verstrahlt!" und Chefredakteur Thomas Deichmann versprechen einen "unvoreingenommenen Diskurs" und eine Analyse "deutlich vom ausgetretenen Pfad vorgefertigter Meinungen".

Bereits im Vorwort beklagt Deichmann, dass das "Dogma" Energiesparen seit vielen Jahren die Diskussion über Wege einer sinnvollen Ausweitung der Energieerzeugung im globalen Maßstab hemmt. Im Leitartikel zeichnet der freie Wissenschaftsjournalist Heinz Horeis dann die "weltweit einmalige" deutsche Energiedebatte nach, die seiner Meinung nach viel zu tiefgründig und grundsätzlich geführt wird. Tenor: "In vier Jahrzehnten Kernenergienutzung ist in Deutschland noch kein Mensch Opfer dieser Technik geworden". In diesem Zusammenhang stellt er auch die Folgen des Reaktorunfalls von Tschernobyl in neues Licht - mit Veröffentlichungen des "Tschernobyl-Forums", die seiner Meinung nach "zum Teil in deutlichem Widerspruch zu den verbreiteten Vorstellungen von den Folgen" stehen.

Im nächsten Beitrag zeigt sich Hanna Thiele vom Windkraft-Lobbyismus von FDP-Politikern und dem fehlenden energiepolitischen Profil ihrer Partei, die offenbar dem Energiespar-Mainstream nichts mehr entgegenzusetzen habe, enttäuscht. Thiele, Mitglied des Arbeitskreises Energie der Landesfachausschüsse Wirtschaft und Umwelt sowie des Bundesfachausschusses Umwelt der FDP-Bundestagsfraktion, fordert, man solle endlich die Scheuklappen ablegen und ernsthaft prüfen, was die erneuerbaren Energie kosten und was sie bringen. Von diesem "teuren Irrweg" berichtet anschließend denn auch Ludwig Lindner, pensionierter Chemiker aus Marl. Seiner Auffassung nach macht der großflächige Aufbau von Solaranlagen in Deutschland zur kommerziellen Stromerzeugung keinen Sinn: "Solarstrom ist schlicht viel zu teuer, Deutschland verfügt über eine sehr gute Infrastruktur bei der Stromversorgung, und es ist nicht zu erwarten, dass in Zukunft die Sonne in Deutschland mehr scheinen wird."

Es folgen Betrachtungen zur globalen Nutzung der Kernenergie und zur Gefahr von radioaktiver Strahlung. Der Evolutionsbiologe Prof. Dr. Josef H. Reichholf sieht in seinem Beitrag den Energieverbrauch in Deutschland und die damit zusammenhängende Energiebilanz als falsch bewertet an: "Was wir dringend bräuchten, wären auf jeden Fall faire Vergleiche mit den begünstigten oder den noch schlechteren Regionen dieser Erde. Daraus könnte der Energieverbrauch normalisiert werden, und wirkliche Verschwendung würde deutlich werden".

Soweit zum Inhalt. Dass dieser durchaus streitbar ist, ist wohl auch so von der Novo-Redaktion gewollt. Querdenken und auch unbequeme Sichtweisen auf Themen zu präsentieren ist deren Ziel - im Energiebereich findet sich indes nicht wirklich Neues. Dass Solarenergie eine vergleichsweise teure Technologie ist, ist bekannt. Dass deutsche Atomkraftwerke als die sichersten der Welt gelten auch. Die Betrachtungen zur Endlagerung von Uran ("Das Leben auf der Erde wird dadurch nicht beeinträchtigt.") sind indes sehr einseitig. So geht der Autor mit keinem Wort darauf ein, dass es bis heute weltweit kein Endlager für hochradioaktive Stoffe gibt. Warum also verschiebt die Politik eine endgültige Lösung des offensichtlich für das "Leben auf der Erde" unwesentlichen Problems immer wieder? Vielleicht weil die Halbwertszeit von Plutonium 24 000 Jahr beträgt? Auch das bleibt völlig unerwähnt.

Auch der Bericht über die Stromerzeugung aus Sonnenenergie enthält nur die halbe Wahrheit. Zwar ist er schön garniert mit beeindruckenden Zahlen über die Ineffizienz der Technologie, ihre unendliche Verfügbarkeit - im Gegensatz zu fossilen Energieträgern und Uran - oder auch ihr durchaus positiver Effekt auf den Arbeitsmarkt werden jedoch außer Acht gelassen. Überhaupt lassen die Autoren die sich abzeichnenden Grenzen bei der Nutzung fossiler Energieträger reichlich unerwähnt.

Und so gäbe es noch eine ganze Reihe weiterer Punkte, die uns beim Lesen des Heftes eher zum skeptischen als zum verblüfften Kopfschütteln animiert haben. Unser Fazit: Aufgrund der Ankündigungen haben wir frechere, modernere und innovativere Beiträge erwartet. Was wir bekamen waren einseitige, konservative Argumente garniert mit wissenschaftlichen Zahlen.

Aber einen Beitrag zum selbständigen Denken liefert das Heft allemal, jeder sollte sich eine eigene Meinung bilden. Das aktuelle Heft ist für 5 Euro unter: www.novo-magazin.de erhältlich. Auf der Seite finden sich auch weitere Informationen zu "Novo".

Und: Unsere "Rezension" beschränkt sich ausschließlich auf die energiewirtschaftlichen Beiträge des aktuellen Heftes.

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