Tempo beim Klimaschutz

Nordrhein-Westfalen will Alt-Kraftwerke zügig stilllegen

Die NRW-Landesregierung will in Sachen Klimaschutz Tempo machen. Dazu dringt sie auf eine schnelle Stilllegung alter und ineffizient gewordener Kraftwerksblöcke. Entsprechende Gespräche mit den Energieversorgern würden jetzt "unverzüglich" aufgenommen, sagte Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU)

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (ddp-nrw/sm) - Die Erneuerung des Kraftwerksparks sei der wichtigste Beitrag des Landes zum Klimaschutz, fügte die Ministerin vor den rund 300 Fachleuten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft auf dem Klima- und Energiekongress in Essen hinzu. Da in NRW ein überdurchschnittlicher Teil des Stroms aus Stein- und Braunkohle erzeugt werde, sei damit auch der Effekt aus der Kraftwerkserneuerung überproportional.

Wie sehr die Zeit für die Menschheit drängt, machte der Klimatologe Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenabschätzung, auf dem "Klimaschutz als Chance" betitelten Kongress deutlich. Schon jetzt zeichne sich ab, dass die Menschheit bei der Erderwärmung nicht mehr "ungeschoren" davonkomme. Man könne nur noch versuchen, durch geeignete Maßnahmen die schlimmsten Folgen zu verhindern. Dazu gehörten der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien und die Kohlendioxid-Abscheidung für Kohlekraftwerke.

Ohne ein Gegensteuern wird sich nach Einschätzung Schellhubers der Kohlendioxid-Ausstoß bis 2050 weltweit verdoppeln. Im schlimmsten Fall könnten die Polkappen bis 2100 abschmelzen und eine Anhebung des Meeresspiegels um bis zu 50 Meter verursachen, was NRW zum Küstenland machen würde. Weltweit werde es als Folge des Klimawandels für die trockenen Regionen trockener, während es dort, wo es ohnehin schon viel regne, noch mehr Niederschläge geben werde.

Thoben bekräftigte auf dem Kongress zugleich die energiepolitischen Ziele der Landesregierung, die bis zum Jahr 2020 die Einsparung von 81 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) bei der Energieerzeugung vorsehen. Davon sollen allein 30 Millionen Tonnen aus der Erneuerung des Kraftwerksparks kommen.

Darüber hinaus will das Land die Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien deutlich ausbauen. Bis 2020 soll doppelt soviel Strom und viermal so viel Wärme aus Sonne, Wind und Biogas erzeugt werden als im Vergleichsjahr 2005. Klimaschutz sei damit auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Zukunft, merkte Thoben an. Bis 2020 könnte sich die Zahl der im Bereich erneuerbare Energien Beschäftigten auf rund 40.000 mehr als verdoppeln. Der Umsatz dieser Branche könnte sich nach Prognose der Ministerin bis dahin sogar auf 20 Milliarden Euro sogar annähernd verfünffachen.