Pläne zurückgezogen

Nord-Stream verzichet auf Umweltgift für Spülung der Ostsee-Pipeline

Die Betreiber der geplanten Ostseepipeline verzichten darauf, die Röhre vor ihrer Inbetriebnahme 2011 mit einem starken Umweltgift zu spülen. Zuvor hatte der "Spiegel" aus einem Bericht des Bundesumweltministeriums zitiert, in dem vor einer starken Schadstoffbelastung der Ostsee gewarnt wird.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Wie der "Spiegel" berichtete, war geplant, die Ostseepipeline vor der Inbetriebnahme mit der Chemikalie zu durchspülen. Das Magazin stützt sich dabei auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl, laut der der geplante Chemiekalien-Einsatz auch den deutschen Behörden grundsätzlich bekannt war. "Die Einleitung von Glutaraldehyd würde somit in ein besonders empfindliches und besonders gefährdetes Ökosystem erfolgen", hieß es in der Antwort des Bundesumweltministeriums.

Das Nord-Stream-Konsortium bestätigte am Wochenende Pläne zum Einsatz der Chemikalie Glutaraldehyd, die inzwischen jedoch zurückgezogen worden seien. Den ursprünglichen Plänen zufolge sollte die Pipeline mit 2,3 Milliarden Litern einer Lösung aus giftigem Glutaraldehyd gespült werden, um die Innenseiten der Röhren zu säubern. Danach sollte das Gemisch in die Ostsee entsorgt werden. Glutaraldehyd wird als Bakterien-Killer verwendet und hat insbesondere auf Wasserorganismen eine stark giftige Wirkung.

Der Zusatz von Glutaraldehyd wäre nur in "geringster Konzentration" erfolgt, teilte der Betreiber mit. Die Chemikalien würden darüber hinaus zügig abgebaut, sobald sie mit dem Meerwasser in Kontakt treten, also bereits ab dem Befüllen der Leitung. Die Auswirkungen auf die Wasserqualität durch das spätere Auslassen wären zeitlich und räumlich begrenzt.

Die Planungen seien der schwedischen Regierung als zuständiger Genehmigungsbehörde vorgelegt worden, teilte Nord Stream weiter mit. Zudem habe man darauf verwiesen, dass Laboruntersuchungen erst ergeben sollten, ob der Einsatz von Chemikalien überhaupt notwendig werde. Diese Pläne wurden den Angaben zufolge nun zurückgezogen.

Im Aufsichtsgremium von Nord Stream sitzt neben Vertretern des Energiekonzerns E.ON und des Chemie-Konzerns BASF auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD). Kotting-Uhl hatte die Bundesregierung dem Bericht zufolge aufgefordert, die Einleitung von Glutaraldehyd in die Ostsee auf jeden Fall zu verbieten.