Hinterlassenschaften

Niedersachsen, das "Atomklo Deutschlands"

Niedersachsen ist als Agrarland und Automobilstandort bekannt, doch auch die Energieerzeugung ist ein großes Thema zwischen Nordsee und Harz. Zwar wird die Windbranche in Niedersachsen immer bedeutender, doch mit den Hinterlassenschaften des Atomzeitalters ist das Land noch deutlich häufiger in den Schlagzeilen.

Atomstrom© dasglasauge / Fotolia.com

Hannover (dapd/red) - Niedersachsen reicht von der Nordseeinsel Borkum mit ihrem Hochseeklima bis zu den Berggipfeln des Harzes. Dazwischen liegen der Ballungsraum Hannover und einsame Heidelandschaften, die größten Automobilfabriken Europas und die Hildesheimer Börde mit den fruchtbarsten Böden der Bundesrepublik.

Bekannt ist Niedersachsen im Ausland vor allem als Automobilstandort. Doppelt so viele Arbeitsplätze wie im Bundesdurchschnitt haben in Niedersachsen mit dem Auto zu tun. Volkswagen, an dem das Land Niedersachsen 20 Prozent Anteil hält, ist nur das prominenteste Beispiel. Eine vergleichbar starke Stellung hat die Landwirtschaft. Die Klassifizierung als reines Agrarland wird Niedersachsen jedoch nach Angaben der Landesregierung nicht mehr gerecht. Auch wenn in Niedersachsen die Zahl der Schweine mit etwa acht Millionen größer ist als der Einwohner.

Energie ist ein großes Thema im Land

Immer bedeutender wird in Niedersachsen hingegen die Windenergiebranche. Im Jahr 2010 waren rund 6.200 Arbeitnehmer in diesem Bereich tätig. Niedersachsen hat nach Bayern das zweithöchste Ausbaupotenzial für Windenergie bundesweit. Energie ist auch sonst in Niedersachsen ein großes Thema. Oft wird das Land als "Atomklo Deutschlands" bezeichnet. Das marode Atommüllager Asse, das Zwischenlager und Erkundungsbergwerk Gorleben sowie das erste genehmigte Endlager Deutschlands, Schacht Konrad, - sie alle befinden sich in Niedersachsen.

Bekannt ist das Land auch als Messestandort. Die Hannover Messe und die Computermesse Cebit haben den Raum Hannover zu einem der wichtigsten Messeplätze der Welt gemacht. Beide Messen werden im Frühjahr traditionell von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet. Das Messegelände in Hannover mit dem Sitz der Deutschen Messe AG ist vielen noch bekannt von der Weltausstellung Expo im Jahr 2000.

Zweitgrößter Flächenstaat der Republik

In Niedersachsen leben auf einer Fläche von knapp 48.000 Quadratkilometern rund 7,9 Millionen Einwohner. Das Land ist damit der Fläche nach das zweitgrößte, der Einwohnerzahl nach das viertgrößte Bundesland. Ende 2011 lebten in Niedersachsen 470.683 Ausländer. Pro 100.000 Einwohner sind laut der Polizeilichen Kriminalstatistik 2011 knapp 7.000 Straftaten begangen worden, die meisten von ihnen in der Landeshauptstadt Hannover.

Die Landesregierung betont oft den starken Mittelstand in Niedersachsen. Tatsächlich gehören statistisch gesehen 99,7 Prozent der niedersächsischen Unternehmen zu den kleinen und mittelständischen Unternehmen. 72 Prozent der Beschäftigten arbeiten laut Wirtschaftsministerium in solchen Unternehmen.

Das Land lebt auch vom Tourismus

Die Zahl der Arbeitslosen in Niedersachsen lag laut Bundesagentur für Arbeit im Dezember 2012 aktuell bei 261.124. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent. Allerdings ist die Arbeitslosigkeit regional unterschiedlich. Während im Nordwesten in einigen Landkreisen nahezu Vollbeschäftigung herrscht, verzeichnet der Süden höhere Arbeitslosenzahlen.

Viele Arbeitnehmer sind in Niedersachsen auch im Tourismus beschäftigt. Alleine im August 2012 kamen rund 1,3 Millionen Gäste in das nördliche Bundesland, die meisten von ihnen reisten auf die ostfriesischen Inseln und an die Nordseeküste. Aber auch der Harz ist bei Urlaubern beliebt und lockt im Winter zudem zahlreiche Wintersportler an.