Neuigkeiten von Vossnet: Schwarze in Untersuchungshaft/ Insolvenzverfahren eingeleitet

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com
In einem Gespräch mit dem strom magazin bestätigte der für den Fall Vossnet zuständige Bremer Staatsanwalt Dr. Christian Baumgarte heute, dass sich Vossnet-Berater Peter Schwarze (45) seit letzten Freitag in Untersuchungshaft befindet. Gegen die Firma Vossnet ist ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet worden.


Was bisher geschah: Als einer der ersten privaten Anbieter war der originäre Internetprovider Vossnet (Bremen) im September letzten Jahres in den Stromhandel eingestiegen. Das günstige Angebot lockte bis zu Beginn der Untersuchungen der Staatsanwaltschaft im Dezember etwa 27 000 Kunden, denen schon vorab 60,00 DM Bearbeitungsgebühr vom Konto abgebucht wurden. Im Dezember dann meldete sich die Staatsanwaltschaft, durchsuchte den Firmensitz und blockierte die Konten. (Die detaillierte Vossnet-Geschichte lesen sie in unserem Special.) Staatsanwalt Baumgarte sagte heute zum strom magazin: "Es waren und sind bei Vossnet keine Vorkehrungen dafür getroffen worden, auch wirklich Lieferverträge mit Stromunternehmen abschließen zu können. Die eingegangenen Kundenverträge waren noch nicht einmal nach Orten sortiert. Vossnet hat keinerlei Anstalten gemacht, mit Netzbetreibern Durchleitungsverträge abzuschließen."


Nachdem Vossnet kürzlich auch die Internetsparte an UBCom abgegeben hatte, wurde die Liquidität des Unternehmens immer fragewürdiger. Die schlimmsten Befürchtungen wurden jetzt bestätigt: Gegen Vossnet wurde ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet. Die Folge: Die Vossnet-Mitarbeiter bekommen vom Arbeitsamt ein Insolvenzgeld in Höhe von drei Monatsgehältern und sind ab sofort arbeitslos. Die Gläubiger müssen den Ausgang des Verfahrens abwarten und werden dann möglicherweise aus der Konkursmasse befriedigt. An erster Stelle steht die Handelskrankenkasse, die wegen ausstehender Sozialversicherungsbeiträge den "Insolvenz-Stein" ins rollen brachte.


Die große Frage, für alle die, die auf die leeren Vossnet-Versprechungen reingefallen sind: Was geschieht mit den schon gezahlten 60,00 DM? Noch vor einigen Wochen sagte Staatsanwalt Baumgarte, dass dieses Geld aus den blockierten Konten zurück gezahlt werden kann. Jetzt sieht es dagegen anders aus: "Als wir das Konto blockiert haben, befanden sich etwa 1 Millionen Mark darauf. Dadurch, dass viele der Kunden, ihre 60,00 DM noch per Lastschrift-Rückholung eingezogen haben, sind jetzt noch 400 000 DM auf dem Konto." Wer sein Geld also zurück möchte, muss sich einen Anwalt nehmen und einen Vollstreckungstitel beantragen. Dass das weit mehr kostet, als 60,00 DM dürfte jedem klar sein. Das Geld ist also weg.


Dazu, wie lange Schwarze in Untersuchungshaft sitzen wird und welches Strafmaß ihn bei einer eventuellen Verurteilung erwartet, wollte sich Staatsanwalt Baumgarte nicht äußern. "Das wäre unseriös", sagte er im Gespräch mit dem strom magazin. Als Tatvorwürfe nannte er: Betrug mit Stromverträgen, der Weiterverkauf von noch nicht bezahlten Waren und die unrechtmäßige Weiterleitung von 80 000 Mark an eine Firma, die ebenfalls ihm gehört.


Für alle ehemaligen Vossnetkunden steht nach wie vor das Angebot zur Übernahme durch die Ares Energie AG Berlin. Wer - möglichst schnell - mit dem Berliner Unternehmen einen Vertrag abschließt, bekommt ein Guthaben von 60,00 DM gewährt. Ares-Pressesprecherin Swetlana Meurer sagte gegenüber dem strom magazin: "Wir haben 10 000 Verträge abgeschlossen". Im Dunkeln bleibt, ob und wenn ja, was Ares dafür an Vossnet gezahlt. Darüber konnte auch Staatsanwalt Dr. Christian Baumgarte keine Auskunft geben.


Annika Krisp