Störstellen finden

Neues Kabeldiagnoseverfahren in Altdorf vorgestellt

Als erstes deutsches Energieversorgungsunternehmen hat die Nürnberger N-ERGIE AG über ihr Tochterunternehmen NexaTec eine Kooperation mit der US-amerikanischen Firma IMCORP beschlossen. Ziel ist die Einführung eines innovativen Mess- und Prüfverfahrens zur punktgenauen Fehlerortung in Stromkabeln.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Die Nürnberger N-ERGIE AG hat zusammen mit ihrem Tochterunternehmen NexaTec GmbH als erstes deutsches Energieversorgungsunternehmen mit der Firma IMCORP (USA) einen Kooperationsvertrag über ein innovatives Mess- und Prüfverfahren geschlossen. Dieser Tage stellte die NexaTec GmbH in Altdorf das neue System zur punktgenauen Fehlerortung in Stromkabeln bei den Stadtwerken Altdorf vor. Durch den Einsatz dieses Diagnoseverfahren können betriebsmindernde Schwachstellen, die in absehbarer Zeit einen Ausfall bewirken könnten, genau geortet und durch rechtzeitige Reparatur Netzausfälle vermieden werden.

Im Wesentlichen basiert die Ortung von Teilentladungen in Stromkabeln auf dem Grundprinzip der Reflektionslehre. Teilentladungsimpulse sind sehr kleine elektrische Signale, die am Ort der Teilentladung entstehen (Kabelschaden) und sich dort mit einer bestimmten Geschwindigkeit in beide Kabelrichtungen ausbreitet. Die Erfassung dieser Teilentladungsimpulse dient zur Lokalisierung der Stellen. Mittels einer leistungsfähigen Hardware können die gewonnenen analogen Messwerte digital umgesetzt werden. Das Herzstück dieser Technik ist ein Digitalisierungs-System, das mit den modernsten digitalen Signalverarbeitungsrechenarten (Algorythmen) ein genaues Bild vom Zustand eines Kabels ermöglicht.

Das IMCORP-Messverfahren bietet folgende Vorteile:

  • Minimierung von Instandhaltungsarbeiten durch gezielten, rechtzeitigen Austausch störanfälliger Komponenten
  • Ausgewähltes Ersetzen von Komponenten anstatt einer Auswechslung kompletter Kabel
  • Minimierung der Tiefbauarbeiten und damit weniger Verkehrsbehinderungen und Lärmbelästigungen
  • Gleichzeitig können Übergänge von zwei Kabeln (Muffen) genau erkannt werden.

Die Liberalisierung des Strommarktes und der damit verbundene Wettbewerb zwingt Netzbetreiber dazu, ihr Stromnetz wirtschaftlich zu unterhalten und die Kosten nachhaltig zu senken. Für den kostengünstigen Betrieb von Kabelnetzen ist es unabdingbar, präzise Aussagen über deren Zustand machen zu können. Kabelfehler müssen in kürzester Zeit punktgenau geortet werden. Netzerweiterungen und Sanierungen werden unter strengen betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten genau überlegt und gegebenenfalls auf später und auch auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Instandhaltung in Netzen geschieht oft nur noch "ereignisorientiert" - also dann, wenn das Stromkabel defekt ist.

Zugleich versuchen die Energieversorger, die hohe Verfügbarkeit der Stromversorgung in Deutschland auf dem gewohnten hohen Niveau zu halten. Nach einer Untersuchung des VDEW und Council of European Energy Regulators aus dem Jahre 2002 liegt Deutschland mit einer durchschnittlichen Unterbrechungsdauer der Stromversorgung pro Kunde bei 19 Minuten pro Jahr. Im Netzgebiet der N-ERGIE fällt pro Kunde rund 7 Minuten pro Jahr der Strom aus. In Frankreich dagegen beträgt die stromlose Zeit 57 Minuten und mit 191 Minuten liegt Italien an der Spitze.

Die Stadtwerke Altdorf GmbH ließ an mehreren Tagen Messung an wichtigen Kabelstrecken im Netzgebiet durchführen, um mögliche Störstellen frühzeitig aufzuzeigen. "Wir waren von der Qualität der Ergebnisse positiv überrascht", so Stadtwerke-Geschäftsführer Winfried Klinger. "Wir können jetzt für nächstes Jahr beabsichtigte Kabelwechslungen auf genau geortete Punkte reduzieren und damit die Kosten deutlich senken. In den nächsten Jahren werden wir das komplette Mittelspannungsnetz der Stadtwerke durchmessen lassen".