Debatte

Neuer Streit um Atommülltransport nach Russland

Ein Gutachten zum geplanten Atommülltransport aus dem münsterländischen Ahaus nach Russland wirft auch nach dem vorläufigen Stopp der Castor-Behälter neue Fragen auf. Denn nach Darstellung der sächsischen Grünen hatte die Landesregierung Kenntnis von einem offenbar prekären Gutachten.

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Dresden (dapd/red) - Das Gutachten beschreibt die radioaktive Belastung in der russischen Wiederaufarbeitungsanlage Majak, wo die Brennstäbe aus dem ehemaligen Forschungszentrum Dresden-Rossendorf hingeschafft werden sollten. Nach Auffassung von Sachsens Grünen kannte die Landesregierung das im Frühjahr veröffentlichte Gutachten. Ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums bestritt dies allerdings.

Die Landesregierung habe die Öffentlichkeit bewusst im Unklaren gelassen und auf dem Transport bestanden, sagte der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Johannes Lichdi, am Donnerstag in Dresden. Es können nicht sein, dass der Freistaat mit dieser Entsorgung auf Kosten der russischen Bevölkerung Geld sparen wolle. Seine Fraktion habe die Landesregierung mit einem Antrag im Landtag aufgefordert, auf den Transport zu verzichten.

Die ursprünglich aus Russland stammenden Brennstäbe waren in dem inzwischen stillgelegten DDR-Forschungsreaktor Rossendorf im Einsatz. Seit 2005 lagern sie im nordrhein-westfälischen Zwischenlager Ahaus und sollten eigentlich auf Grundlage eines vertraglich vereinbarten Programms zwischen den USA, Russland und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) nach Majak gebracht werden.

Sachsen ist für den geplanten Transport mit verantwortlich. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte den Transport des verstrahlten Mülls nach Russland allerdings am Montag verboten, weil die russische Wiederaufarbeitungsanlage Majak Sicherheitsmängel aufweist. Zu diesem Schluss kommt auch das Gutachten der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit. Gleichzeitig hält das Gutachten eine Lagerung des Atommülls in Majak aber grundsätzlich für möglich.

Das im April veröffentlichte Gutachten wurde vom Verein für Kernverfahrenstechnik und Analytik (VKTA) in Auftrag geben, das von der Bundesregierung und dem Land Sachsen mit dem Transport beauftragt ist. "Wir kennen das Gutachten allerdings nicht", sagte der Sprecher des Wissenschaftsministeriums, Karltheodor Huttner. Lediglich die Bundesregierung habe das Gutachten gekannt und dem Freistaat stets grünes Licht gegeben. Den Vorwurf, Sachsen wolle Geld sparen, wies Huttner ebenfalls zurück. Der Transport nach Majak sei teurer als die Zwischenlagerung in Ahaus, sagte er.