Neuer Pilothandel auf Basis von handelbaren Umwelt-Zertifikaten: HEW verkauft grünen Strom aus Irland

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Die Hamburgischen Electricitäts-Werke AG (HEW) bleiben ihrer Vorreiterrolle beim Umwelt-Zertifikaten-Handel treu. Nachdem die HEW als erstes deutsches Unternehmen im Juni 2000 Zertifikate für Kohlendioxid-Minderungen nach Kanada verkauft hat, folgt jetzt ein neues Segment mit dem Handel von Grünstrom-Zertifikaten.


Der Hamburger Energieversorger liefert einem seiner Geschäftskunden grünen Strom auf der Basis von handelbaren Zertifikaten. Käufer ist die Naturkost Nord Großhandelsgesellschaft mbH aus Hamburg. Geschäftsführer Matthias Deppe erwarb neben seinem Strombezug von 63 000 Kilowattstunden (kWh) von der HEW zusätzlich 63 grüne Zertifikate im Umfang von je 1000 kWh zum Preis von 30 DM je Zertifikat. Diese grünen Zertifikate garantieren dem ökologisch orientieren Geschäftsmann, dass die gleiche Strommenge, die sein Unternehmen verbraucht - losgelöst von seinem physischen Strombezug in Deutschland - irgendwo in Europa aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. HEW hat die Zertifikate für die Naturkost Nord dafür in Irland eingekauft. Die Firma Eirtricity betreibt dort einen brandneuen Windpark, der im Oktober 2000 ans Netz ging und keine staatliche Förderung erhält. Die Firma plant weitere Windkraftanlagen mit einer Kapazität von insgesamt 500 MW zu installieren. Der Kauf der Zertifikate wurde durch den internationalen Energiebroker Natsource vermittelt, der auf den Handel mit Emissionen spezialisiert ist und bereits den kanadischen Zertifikate-Handel zwischen HEW und TransAlta begleitet hat.


Wesentliches Prinzip beim Handel mit grünen Zertifikaten ist die Trennung von physikalischem Strom und Umweltnutzen. Der Strom aus den irischen Windkraftanlagen wird in das irische Netz eingespeist. Der Umweltnutzen, unter anderem die Treibhausgas-Minderung, wird auf dem Zertifikat bestätigt und dann separat, europaweit gehandelt. Auf diese Weise partizipiert Matthias Deppe am Umweltnutzen des irischen Windparks. Dazu Deppe: "Ich sehe das eher global. Meinen Strom kann auch aus schwedischen Biomasse-Kraftwerken oder holländischen Windkraftanlagen stammen." Das "Renewable Energy Certificate System" (RECS) - eine offene, europaweite Initiative von Energieversorgern, Umweltorganisationen, Verbänden und Regierungsvertretern, an der auch die HEW aktiv beteiligt ist, arbeitet derzeit daran, den organisatorischen Rahmen für den europaweiten Handel mit grünen Zertifikaten zu schaffen. In diesem Rahmen werden verschiedene Anbieter Handelsplattformen für grüne Zertifikate im Internet einrichten.