Atommüll

Neuer Castor-Typ genehmigt

Der Atommüll lässt neben der Suche nach einem Endlager noch viele weitere Fragen offen. Zumindest für ein Problem gab es am Freitag endlich eine Lösung: Die Zulassung des V52-Behälters wurde bestätigt. Noch am selben Tag fällt ein anderes Problem auf. An 44 Behältern vom Typ V19 gibt es Probleme an den Tragstutzen.

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Mülheim (dpa/red) - Da steht er also. Wie bestellt und nicht abgeholt. Fast sechs Meter groß, blau angemalt. Von ihm hängt indirekt ab, ob eines der größten deutschen Atomkraftwerke den Betrieb einstellen muss. Oder ob in Gundremmingen noch ein paar Jahre Strom produziert werden darf. "Ah, das Schild ist inzwischen dran", freut sich Michael Köbl von der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS). Empfänger ist RWE, steht auf der silbernen Plakette dieser wohl teuersten Mülltonne Deutschlands.

Sicherer als ein Flugzeug?

Was noch fehlt, ist das Zeichen der Zulassung: der Stempel für die nächste Sicherheitsüberprüfung. Der Castor V52 ist zum Synonym für all die Probleme beim Atomausstieg geworden. Bis zu zwei Millionen kostet ein Castor, Ausdruck deutscher Ingenieurskunst. "Sicherer als ein Flugzeug", meint ein Arbeiter in der Fertigungshalle in Mülheim. Sie können laut Tests Abstürze und Explosionen schadlos überstehen.

Fehlende Genehmigung

Bis zu 80 Castoren können hier pro Jahr gefertigt werden. Aber seit Monaten wird um die V52-Genehmigung gerungen, es geht schließlich um die bestmögliche Abschirmung hochradioaktiver Strahlung. Eine modernisierte Version dieses schon länger existierenden Behälters ist nötig, weil die Internationale Atomenergiebehörde ihre Vorgaben reformiert hat. Der V52 wird für den Rückbau der Siedewasserreaktoren Isar 1, Krümmel und Brunsbüttel gebraucht. Und für den Weiterbetrieb des letzten aktiven Siedewasserreaktors Gundremmingen B+C in Bayern.

"Sonst muss die Anlage abgeschaltet werden, weil die Lagerbecken dann voll sind mit abgebrannten Brennelementen", sagt GNS-Geschäftsführer Hannes Wimmer, ein drahtiger Bayer aus Berchtesgaden, der die nötige Gelassenheit für das Atomthema mitbringt. Vor seinem dreiwöchigen Urlaub hatte er nur einen Wunsch: dass danach die Genehmigung vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) vorliegt. Das BfS betont, erst Ende Juli die letzten notwendigen Unterlagen der AKW-Betreiber erhalten zu haben.

Bis 2016/17 sollen Atomkraftwerke kernbrennstofffrei sein

Am Freitag wird Wimmers Wunsch tatsächlich erfüllt: Es gibt grünes Licht. Damit schwinden nun auch die Ausreden der Betreiber, warum der Rückbau der stillgelegten Siedewasser-AKW mit der Herausnahme der abgebrannten Brennelemente nicht bald eingeleitet werden kann. Die Grünen-Atomexpertin Sylvia Kotting-Uhl meint, der Castor-Engpass sei von den Betreibern zu verantworten, die auf der Bremse ständen. "Er verschleppt das von den alten Atomkraftwerken ausgehende Risiko unnötig." Wider besseren Wissens halte die Bundesregierung dennoch daran fest, dass bis 2016/2017 alle stillgelegten Atomkraftwerke kernbrennstofffrei sein werden. Das sei aber nicht mehr zu schaffen.

Probleme mit den Tragstutzen

Nun gibt es zumindest einen Teil-Fortschritt, die ersten V52 können bald Mülheim verlassen. Aber ebenfalls am Freitag wird bekannt, dass bei 44 Behältern vom Typ V19 Probleme an den Tragstutzen aufgetaucht sind, an denen Kräne die Behälter anheben. Dieser Typ kommt für Brennstäbe aus Druckwasserreaktoren zum Einsatz. Demnach könnte bei Ultraschallprüfungen geschludert worden sein. Vier bereits mit Atommüll beladende Behälter im Zwischenlager des AKW Unterweser sollen jetzt womöglich neue Tragstutzen bekommen. "Es gibt keinerlei Erkenntnisse über tatsächliche Qualitätsmängel", betont die GNS.

Frage nach dem Endlager

Aber es gibt da noch ein weiteres Castor-Problem, ganz zu schweigen vom fehlenden Endlager für den Müll. Schließlich sind die ganzen Zwischenlager und die Castor-Behälter nur für 40 Jahre genehmigt.

Noch immer ist unklar, wo 26 noch abzunehmende Behälter mit Abfällen aus der Wiederaufarbeitung im britischen Sellafield und dem französischen La Hague hingehen sollen. In einem Kompromiss hatten sich Bund und Länder 2013 verständigt, wegen der neuen Endlagersuche keine Behälter mehr in das Zwischenlager Gorleben zu bringen, wo bisher 113 Behälter stehen. In Mülheim stehen auch ein orangefarbener und ein hellblauer Castor. Diese sind für La Hague und Sellafild bestimmt. Aber erstmal gilt auch hier: abwarten. "Wir haben einen genauen Fahrplan bis 2020, da ist genau festgelegt, welcher Castor in welcher Woche wohin ausgeliefert wird", sagt Wimmer. Aber leider sei halt vieles beim Atomausstieg und bei der Lagerfrage ziemlich unklar.

Quelle: DPA