Neue Verbändevereinbarung ist unterzeichnet

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Mit dem 1. Januar 2000 wird der deutsche Strommarkt endgültig freigegeben, denn zum Jahreswechsel tritt die neue Verbändevereinbarung in Kraft. In dieser Regelung, die heute Morgen von Repräsentanten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Berlin, des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), Essen, und der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW), Frankfurt am Main, unterschrieben wurde, wird festgelegt, zu welchen Bedingungen Energieerzeuger ihren Strom durch die Netze der Konkurrenten leiten dürfen. Erst dadurch wird die bundesweite Belieferung von Stromkunden möglich.


Die in diesem Schriftstück vorgesehenen vereinfachten Abrechnungsmethoden für Kleinkunden und der Wegfall der bisherigen entfernungsabhängigen Durchleitungsgebühr werden das Stromgeschäft mit den Haushaltskunden wesentlich vereinfachen. Die neuen Stromanbieter müssen somit nicht mehr - wie bisher häufig der Fall - für jeden einzelnen Kunden mit den lokalen Netzbetreibern über die Durchleitung verhandeln.


Mit der Wirksamkeit der Verbändevereinbarung dürfen sich die regionalen Netzbetreiber nicht mehr gegen eine Durchleitung von neuem "Billigstrom" wehren. Dadurch können die bundesweiten Stromanbieter mit dem Jahreswechsel auch wirklich bundesweit liefern. Die Argumente für die bisherigen Lieferschwierigkeiten sind mit der neuen Verbändevereinbarung hinfällig.


Der bei der Unterzeichnung anwesende Bundeswirtschaftsminister Werner Müller lobte die Verbändevereinbarung mit den Worten: "Die neue Vereinbarung ist ein weiterer bedeutsamer Schritt auf dem Weg zur Intensivierung des Wettbewerbs auf dem deutschen Strommarkt. Die Netznutzungsregeln und die Entgeltermittlung werden drastisch vereinfacht. Damit werden Transparenz und Kalkulierbarkeit für alle Marktteilnehmer deutlich verbessert."


Zwar könnte es noch zu Nachbesserungen an der Vereinbarung kommen, wenn die deutschen und europäischen Wettbewerbshüter ihren Einfluss geltend machen. Beim Hauptkritikpunkt, der Unterteilung des deutschen Strommarktes in zwei Handelszonen, ist daher mit Nachbesserungen zu rechnen. Weitere Probleme bei der praktischen Umsetzung der Verbändevereinbarung können durch das Fehlen einer Softwarelösung zur Berechnung der Lastprofile entstehen, denn die Arbeit an den Programmen kann noch bis zu zwei Jahre dauern. Mit einer deutlichen Vereinfachung des bundesweiten Stromgeschäfts durch die neue Verbändevereinbarung ist jedoch trotzdem zu rechnen.


Markus Götz