Neue Studie: Verknappung billigen Rohöls noch in diesem Jahrzehnt zu erwarten

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com
Dem Büro für Technikfolgenabschätzung (TAB) liegt jetzt eine aktuelle Studie über fossile Energieträger vor: Unter dem Namen "Fossile Energiereserven (Erdöl und Erdgas) und mögliche Versorgungsengpässe aus europäischer Perspektive" wurde sie von der Ludwig-Bölkow Systemtechnik erstellt.


Sie belegt, dass die Förderung von billigem Öl schon in den nächsten Jahren deutlich zurückgehen wird. Gleichzeitig steigt der Welt-Erdölverbrauch zurzeit jährlich um 1,5 bis 2 Prozent an. Die Folge wird ein drastisch ansteigender Ölpreis sein. Die Konsequenz: Die Abhängigkeit von der OPEC würde noch viel größer als heute, da vor allem die Förderung außerhalb der OPEC zurückgehen wird.


Die Bundestagsabgeordneten Hans-Josef Fell (Bündnis 90/Die Grünen) und Ulla Burchardt (SPD), Berichterstatter für das Büro für Technikfolgenabschätzung sehen nur eine Schlussfolgerung: "Wir müssen die Abhängigkeit vom Öl deutlich verringern. Es muss uns daher in möglichst kurzer Zeit gelingen, den Ölverbrauch in Gebäuden und den von Benzin und Diesel im Verkehr deutlich zu senken. Der Einstieg in erneuerbare Energie muss weiter beschleunigt werden. Eine Senkung der Energiesteuern würde hingegen für wenige Jahre trügerische Sicherheit bieten und den Umstellungsdruck nehmen. Die Verbraucher müssten schon in wenigen Jahren die Zeche zahlen für eine Politik, die nur auf Stimmenfang ausgerichtet ist."


Konkret zeigt die Studie der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik, dass jährlich nur noch ein Bruchteil dessen an billigem Öl gefunden wird, was verbraucht wird. Von den weltweit bekannten 42 000 Ölfeldern sind in den 400 größten mehr als 75 Prozent des insgesamt gefundenen Öls enthalten. Diese Felder sind fast alle älter als 30 Jahre. 90 Prozent der Weltölproduktion kommen aus Feldern, die mehr als 20 Jahre bekannt sind. Die Funde in den letzten 20 Jahren waren stark rückläufig. Große Funde, die die Gesamtsituation verändern könnten, sind nicht zu erwarten. Regionale Analysen zeigen zudem, dass die Ölproduktion in einer Ölregion dem Verlauf einer "Glockenkurve" folgt. Dem starken Zuwachs in der Anfangsphase folgt ein Produktionsmaximum ungefähr dann, wenn die Hälfte der Ölreserven verbraucht wurde. Nach Erreichen des Maximums nimmt der Druck so stark ab, dass dann tendenziell die Ölproduktion Jahr für Jahr deutlich zurückgeht. In Deutschland war das Produktionsmaximum 1968 erreicht, in den USA 1971, in Russland 1988 und in Großbritannien vermutlich 1999.


Heute haben die Staaten außerhalb der OPEC das Produktionsmaximum bereits erreicht. Die meisten großen Ölfelder haben ihr Produktionsmaximum schon überschritten. Das Überschreiten des später folgenden weltweiten Maximums wird einen dauerhaften Strukturbruch bedeuten. Daher ist der diesjährige starke Ölpreisanstieg nur ein Vorzeichen der bevorstehenden Ölkrise. Gestützt wird die Aussage unter anderem durch die zweitgrößte kanadische Bank. Die CIBC hält es sogar für wahrscheinlich, dass die weltweite Erdölproduktion in den nächsten zehn Jahren um zehn Prozent zurück gehen wird, außerhalb der OPEC sogar um 20 Prozent.