Konzentration

Neue Studie: Rennen um Stadtwerke geht weiter / Mitarbeiterabbau in Höhe von 20 Prozent

Die Stadtwerke sollten sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen: Nach einer neuen Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney droht ihnen durch Kostendruck in naher Zukunft ein Stellenabbau von 20 Prozent. Zudem würden das regulatorische Umfeld und die Strukturveränderungen im deutschen Markt den Kostendruck auf Netz und Vertrieb weiter erhöhen.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Weitere Marktkonzentration, Wachstum der großen Unternehmen und Mitarbeiterabbau in der traditionellen Energiewirtschaft: Diese Trends werden nach einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney die weitere Entwicklung des deutschen Energiemarkts prägen. "Die Devise der großen Player im deutschen Strommarkt wie E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall Europe muss national und international weiter heißen: Wachsen, um zu überleben", schätzt Florian Haslauer, Energieexperte und Mitglied der Geschäftsleitung von A.T. Kearney, die derzeitige Situation ein.

Auf europäischer Ebene sei die weitere Expansion der Stromkonzerne in das Gas- und Wassergeschäft zu erwarten, innerhalb Deutschlands wird das Rennen um die Stadtwerke weitergehen, sieht Haslauer voraus. Nur so könnten integrierte Unternehmen in allen Wertschöpfungsstufen kritische Größen erreichen und Skaleneffekte bei geringer werdenden Margen nutzen. Die einzige langfristig erfolgversprechende Alternative sei die Spezialisierung auf Teile der Wertschöpfungskette.

Regulatorisches Umfeld und Strukturveränderungen im deutschen Markt werden nach Auffassung von Haslauer den Kostendruck insbesondere auf Netz und Vertrieb weiter erhöhen – mit Folgen für die Arbeitsplätze. "Das regulatorische Wettbewerbsumfeld wird sich trotz VV II+ langfristig in sinkenden Netznutzungsentgelte niederschlagen, die ja bisher im Vergleich zu anderen liberalisierten Energiemärkten hoch sind. Im Vertrieb hat sich die Liberalisierung - anders als in der Erzeugung - noch nicht in gleicher Weise hinsichtlich Konzentration und Effizienzsteigerung ausgewirkt", erläuterte Haslauer weiter. Zudem forderten die großen Unternehmen zunehmend entweder als Eigentümer eine entsprechende Dividende ein oder würden im Endkundengeschäft zu Konkurrenten. "Hier vollzieht sich eine Verschiebung der Anteile der jeweiligen Unternehmen an den Wertschöpfungsstufen, die sich in den nächsten Jahren vor allem auf die Stadtwerke und Regionalverteiler auswirken wird", ist Haslauer überzeugt.

Auswirken wird sich diese Entwicklung insbesondere auf die Mitarbeiter der regionalen Energiewirtschaft. "20 Prozent der Stellen in der traditionellen Energiewirtschaft, d.h. vor allem in Stadtwerken und Regionalverteilern, aber auch bei den großen Playern, werden in den nächsten Jahren wegfallen. Neue Arbeitsplätze im Bereich der energienahen Dienstleistungen sowie in Entwicklung, Bau und Betrieb von Anlagen für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien werden diesen Abbau nicht ausgleichen können", kündigte Haslauer an. Er empfiehlt Stadtwerken und Regionalverteilern, sich auch und gerade aus einer derzeit positiven Geschäftssituation heraus auf diese Entwicklungen vorzubereiten. Viele Stadtwerke seien zwar bisher Gewinner des Wettbewerbs. "Wer sich jetzt auf diesen ersten Erfolgen ausruht und glaubt, das schlimmste im Wettbewerb sei vorüber, wird schnell einen schwer aufholbaren Wettbewerbsrückstand haben", warnte der Energieexperte.

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