Neue Studie: Die Liberalisierung des Gasmarktes und der deutsche Mittelstand

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com
Die Gasversorger gehen bei der bevorstehenden Öffnung des Gasmarktes eher von einem moderaten Wettbewerb aus, während ihre Kunden der Liberalisierung des Gasmarktes mit gemischten Gefühlen entgegensehen. Für die gasbeziehenden Unternehmen wird die Entscheidung über den Wechsel des Gasversorgers mehrheitlich über den Preis entschieden, die GVU sehen dem Preisargument dagegen gelassen entgegen.


Diese unterschiedlichen Meinungen über den aufkommenden Wettbewerb im Gasmarkt hat die Energiemarktforschung von TNS Emnid ermittelt. Dazu wurden über 400 Geschäftsführer und Vorstände kleinerer und mittelständischer Unternehmen befragt.44 Prozent der befragten Unternehmen mit einem jährlichen Gasverbrauch über 100 000 Kilowattstunden (kWh) sind in einem liberalisierten Gasmarkt einem Wechsel ihres Gasversorgers gegenüber positiv eingestellt. Bei den gasbeziehenden Unternehmen mit einem Verbrauch unter 100 000 kWh dagegen nimmt die Wechselbereitschaft ab. Nur jedes fünfte Unternehmen, so die im August 2000 von TNS Emnid durchgeführte Studie "Gasmarkt 2000 - Der Mittelstand in Deutschland am Vorabend der Liberalisierung", kann sich den Wechsel zu einem neuen Anbieter vorstellen.


Der Preis ist aus Kundensicht auch im Gasmarkt das ausschlaggebende Argument für einen möglichen Wechsel des Gaslieferanten. Für 86 Prozent der wechselwilligen Unternehmen wäre ein besserer Preis das Hauptmotiv für einen Wechsel und auch für 58 Prozent der noch nicht wechselbereiten Kunden wäre dies ein Motivationsgrund. Auf Anbieterseite wird das Preisargument unterschätzt: lediglich 21 Prozent der befragten Gasanbieter sehen darin das entscheidende Kriterium für die Wechselabsicht ihrer Kunden. Leistungsmerkmale wie der Service oder die sichere Versorgung sind bei der Anbieterwahl auf Kundenseite von geringerer Bedeutung.


Befragt nach einem reibungslosen Wechsel des Gasanbieters, sehen zwei Drittel der gasbeziehenden Unternehmen keine Probleme auf sich zukommen. Wenn Schwierigkeiten vermutet werden, so erwarten 65 Prozent diese bei der Abwicklung technischer Probleme. Die Gasversorger erhalten bei der Frage nach der Zufriedenheit von ihren Kunden durchaus gute Noten für die Korrektheit der Abrechnungen, nicht aber für die Verständlichkeit der Abrechnungen. Auch die Freundlichkeit der Mitarbeiter wird positiv hervorgehoben, während ihre Beratungskompetenz aus Kundensicht verbesserungswürdig ist. Positiv schneidet auch die Schnelligkeit bei Störungsbehebungen ab, ebenso wie die Leistungsfähigkeit und telefonische Erreichbarkeit. Massive Kritik ernten die Versorger aber beim Preis-Leistungs-Verhältnis und der Flexibilität der Vertrags- wie auch der Preisgestaltung.


Insbesondere wenn es um die Liberalisierung des Gasmarkts geht, geben zwei Drittel der befragten Unternehmen an, über die Liberalisierung kaum oder überhaupt nicht informiert zu sein. Selbst Vorstände und Geschäftsführer gasbeziehender Unternehmen verspüren ein enormes Informationsdefizit, wenn 71 Prozent dieser Zielgruppe der Aussage zustimmen, kaum oder überhaupt nicht über die Liberalisierung informiert zu sein. Ähnliches bei den Unternehmen, die mit mehr als 100 000 kWh zu den größeren Abnehmern des fossilen Energieträgers gehören. Sie sind zu 57 Prozent der Meinung, schlecht über die Öffnung informiert worden zu sein.


Weitere Informationen unter www.emnid.tnsofres.com oder per Mail E-Mail an bernhard.keller@emnid.tnsofres.com.