Power-to-Gas-Anlage

Neue Stromspeichertechnik soll die Energiewende voranbringen

Die sogenannte Power-to-Gas-Technik soll in Baden-Württemberg zur Marktreife geführt werden. Eine Forschungsanlage zur Erprobung der Stromspeichertechnik wurde am Dienstag in Stuttgart-Vaihingen eingeweiht. Die Anlage ermöglicht es, Ökostrom zu Spitzenzeiten zu speichern, wenn viel Strom ins Netz drängt, und später abzurufen.

Solarenergie Windenergie© visdia / Fotolia.com

Stuttgart (dapd/red) - "Mit einer möglichen Methanproduktion von bis zu 300 Kubikmetern pro Tag ist sie die größte ihrer Art weltweit", erklärte das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) am Dienstag. Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) sprach von einem "erfolgreichen Schritt" zur Etablierung der neuen Stromspeichertechnik.

Durch die Wende hin zu erneuerbaren Energien steigt auch die Notwendigkeit, Strom zu speichern. Bei der Power-to-Gas-Anlage wird Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Der Wasserstoff wird anschließend in Methan umgewandelt und kann im Erdgasnetz gespeichert werden.

Jürgen Schmid, ehemaliger Leiter des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik und aktuell Berater der Bundesregierung, spricht der Technologie eine zentrale Rolle bei der Energiewende zu. "Gerade im Herbst und Winter gibt es Zeiten, wo weder Sonne scheint noch Wind weht", sagte er. Diese Zeit lasse sich weder mit intelligenten Netzen noch mit Pumpspeicherkraftwerken oder Batterien überbrücken. "Das geht nur noch mit chemischen Speichern", sagte er.

Technologie steht noch am Anfang

Noch steckt die Technologie in den Kinderschuhen. Bislang gibt es nach Expertenschätzungen etwa 20 Versuchsanlagen in Deutschland. "Der Unterschied ist aber der, dass diese Projekte sich zum Ziel gesetzt haben, Wasserstoff in das Erdgasnetz einzuspeisen und nicht Methan", sagte der Experte Michael Specht vom ZSW. Wasserstoff kann aber anders als Methan nicht vollständig in das Erdgasnetz integriert werden. Die jetzt eingeweihte Anlage ist mit einer Leistung von 250 Kilowatt noch relativ klein. Bei einer Laufleistung von 4.000 Stunden im Jahr reiche sie etwa aus, um 80 Einfamilienhäuser mit Erdgas zu versorgen oder 80 Kraftfahrzeuge zu betreiben, sagte Specht.

In Stuttgart-Vaihingen testen die Forscher aber für den Ernstfall. Denn die Industrie zeigt schon Interesse an der Technologie. Die Firma SolarFuel errichtet beispielsweise im niedersächsischen Werlte im Auftrag von Audi eine Sechs-Megawatt-Anlage. Für SolarFuel-Geschäftsführer Gregor Waldstein tut sich damit ein "neuer Markt auf". Und Deutschland habe die Chance, in diesem Markt zum Vorreiter und Technologieführer zu werden.