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Neue Esso Energieprognose: Ölverbrauch sinkt und Ölvorrat steigt

Nach der neuen Energieprognose von Esso wird Öl mit einem Anteil von 36 Prozent Energieträger Nummer eins in Deutschland. Es folgen Erdgas und Steinkohle. Weitere Ergebnisse: Die Zielmarkte für den Kohlendioxidausstoß wird nicht erreicht und der Anteil erneuerbarer Energien verbleibt bis 2020 bei fünf Prozent.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Bis zum Jahr 2020 wird der Mineralölverbrauch in Deutschland um zwölf Prozent von 127 auf 112 Millionen Tonnen abnehmen. Dennoch bleibt Öl Energieträger Nummer eins mit einem Anteil von 36 Prozent am Primärenergieverbrauch. Im Gegensatz zum Öl wird der Verbrauch von Erdgas bis 2020 um 34 Prozent steigen. Damit baut Gas seinen zweiten Platz im Energiemix weiter aus und steigert seinen Anteil an der Energiebedarfsdeckung bis zum Jahr 2020 auf 30 Prozent. Potentiale stecken für Erdgas besonders im Kraftwerkssektor, in dem Erdgas vom Ausstieg aus der Kernenergie profitiert, sowie im Bereich der staatlich geförderten Kraftwärmekopplung. Dies sind die Ergebnisse der "Esso Energieprognose 2001", die jetzt von Esso, Mobil und ExxonMobil vorgelegt wurde.

Dr. Rainer Abbenseth, Direktor Corporate Affairs bei ExxonMobil, wies zudem darauf hin, dass sich der Primärenergieverbrauch um 4,5 Prozent vermindern wird und im Jahr 2020 nur noch 462 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten (SKE) betragen wird. Mit diesem geringeren Energieeinsatz wird jedoch ein höheres Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet. Im Jahre 2000 betrug es 46 800 DM pro Kopf der Bevölkerung, im Jahr 2020 wird es mit 72 000 DM vorhergesagt. Damit nimmt die Energieintensität der deutschen Volkswirtschaft um 37 Prozent ab. Voraussetzung ist, dass die Bemühungen um eine Verbesserung der Energieeffizienz fortgesetzt werden. Davon geht die Esso Energieprognose 2001 ebenso aus wie von einem weiteren stetigen Wirtschaftswachstum von durchschnittlich zwei Prozent pro Jahr und einem durchschnittlichen Rohölpreis unter dem heutigen Niveau der letzten Monate. Weiterhin unterstellt die Prognose, dass steuerbedingte Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der europäischen Union im Energiesektor abgebaut werden.

Kernenergie wird es am Ende des Prognosezeitraums zwar noch geben, aber nur noch mit einer Kapazität von fünf Gigawatt. Die Prognose geht davon aus, dass die Kernkraftwerke in Ausführung des Energiekonsensvertrages zwischen der Bundesregierung und den Kraftwerksbetreibern sukzessive stillgelegt werden. Die Steinkohle bleibt drittgrößter Energieträger nach Mineralöl und Naturgas. Zwar wird der Verbrauch an Steinkohle kurz- und mittelfristig etwas zurückgehen, langfristig aber - nach 2020 - wieder steigen. Voraussetzung dafür ist, dass die Steinkohle einen Teil der Kernenergie substituiert. Auch die Braunkohle bleibt ein fester Bestandteil im deutschen Energiemix. Der Abwärtstrend nach der Konsolidierung in Ostdeutschland ist seit 1999 zum Stillstand gekommen. Sie dürfte im Kraftwerkseinsatz und bei der Fernwärmeerzeugung sowohl in Westdeutschland als auch in ostdeutschen Revieren dort erhalten bleiben, wo sie standortnah verwendet werden kann.

Das beispielsweise mit der Ökosteuer angestrebte Ziel, die Kohlendioxid-Emissionen im Zeitraum von 1990 bis 2005 um 25 Prozent zu reduzieren, wird nach der Esso Prognose um etwa elf Prozent verfehlt, die Reduzierung wird um etwa 110 Millionen Tonnen Kohlendioxid unter der Zielmarke liegen. Grund: Der Ausfall der Kernenergie als Kohlendioxidfreier Energieträger durch fossile Energien ersetzt werden muss, sieht die Esso Energieprognose mit einer Menge von 853 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahre 2020 ziemlich genau denselben Wert vor, der auch im Jahr 2000 erreicht worden ist. Und auch die Prognose zu erneuerbaren Energien ist eher ernüchternd: Trotz erheblicher staatlicher Förderung wird der Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch im Jahr 2020 erst bei knapp fünf Prozent liegen.

Öl kann nur dann mit 36 Prozent am Primärenergieverbrauch wichtigster Energieträger bleiben, wenn es noch genug davon gibt. Dieser Frage widmet sich der diesjährige Schwerpunkt der Prognose. Sie trägt erheblich zur Beruhigung bei. Bei Berücksichtigung des technischen Fortschritts, reichen die bestätigten Reserven und die Ressourcen selbst bei einem steigenden Ölverbrauch noch mehr als 260 Jahre und beim Gas noch länger als 90 Jahre. Zwar ist unbestritten, dass die Öl- und Gasvorräte endlich sind. Die Vergangenheit hat jedoch gelehrt, dass durch die Entwicklung der Explorationstechnologie ständig mehr Öl und Gas zusätzlich gefunden wurde, als selbst bei einem weltweit wachsenden Bedarf verbraucht wurde. So sind z.B. die bestätigten Ölvorräte in den letzten 30 Jahren um 80 Prozent gestiegen, obwohl der Verbrauch ständig gewachsen ist. Die bestätigten Gasreserven haben sich im gleichen Zeitraum sogar fast vervierfacht. Das Fazit der Analyse der Esso Energieprognose 2001 lautet daher: Das Potential der Öl- und Gasvorräte ist groß genug, um auch noch im nächsten Jahrhundert den Weltenergiebedarf decken zu können.