Neue Energiesparverordnung erzwingt Modernisierungen

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Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) und Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) stellten heute in Berlin den Entwurf zur neuen Energiesparverordnung vor. Zentraler Punkt: Der Heizenergiebedarf von Gebäuden soll in den kommenden Jahren von zehn auf sieben Liter Erdöl pro Jahr und Quadratmeter gesenkt werden.


Die neue Verordnung wird den Niedrigenergiehausstandard zur Regel machen, indem der Heizenergiebedarf von Neubauten um etwa 30 Prozent gegenüber den heutigen Anforderungen gesenkt wird. Der mit dem Term "7-Liter-Haus" umschriebene Ansatz der Verordnung entspricht den Anforderungen an modernes Bauen. Auf der Grundlage neuer europäischer und nationaler Normen soll eine komplexe energetische Bilanzierung von Gebäuden erfolgen. Zusätzlich zur passiven Solarenergienutzung z.B. über günstig angeordnete Fenster wird auch die aktive Nutzung erneuerbarer Energien angerechnet. Die Bundesregierung will damit die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien, aber auch den Einsatz innovativer Entwicklungen im Baubereich, wie z. B. von transparenten Wärmedämmungen unterstützen.


Die Minister unterstrichen, dass die Verordnung besonderen Wert auf die "intelligente Erschließung" von Energieeinsparpotentialen legt. Die verbesserte Planung und Ausführung, z. B. die Vermeidung von Wärmebrücken, wird belohnt. Die zusätzlichen Kosten amortisieren sich durch Energiekosteneinsparung generell deutlich im Rahmen der Nutzungsdauer der Gebäude, in der Regel unter 25 Jahren, rechnete Bodewig vor. Zudem werde für Neubauten künftig ein Energiebedarfsausweis vorgeschrieben, der wichtige Informationen zu den energetischen Eigenschaften des Gebäudes enthält. Ähnlich wie beim Auto soll der Energiebedarfswert für mehr Transparenz hinsichtlich der energetischen Qualität von Immobilien sorgen.


Für ältere Bauten wird es einen Nachrüstzwang geben. Diese Verpflichtungen betreffen insbesondere den Ersatz der vor dem 1. Oktober 1978 eingebauten, nach heutigem Standard sehr ineffizienter Heizkessel, die nachträgliche Dämmung ungedämmter Rohrleitungen und die Dämmung der obersten Geschossdecken unter nicht ausbaufähigen Dachräumen. Bei ohnehin anstehenden Modernisierungsarbeiten müssen in jedem Fall die Möglichkeiten einer energetischen Verbesserung ausgeschöpft werden. Insbesondere die Putzerneuerung und der Austausch der Fenster oder Verglasungen geben Anlass zur Verbesserung der energetischen Qualität. Müller und Bodewig kündigten zudem an, dass die Bundesregierung die Öffentlichkeitsarbeit zum energiesparenden Bauen verstärken wird. Es wird zusätzlich zu den bestehenden KfW-Programmen ab 2001 ein neues Kohlendioxid-Minderungsprogramm für den Altbaubereich aufgelegt. Hier sollen mit einer deutlichen Zinsverbilligung Kredite gewährt werden, die vor allem komplette Modernisierungspakete fördern. Die Konditionen dafür werden in den nächsten Wochen veröffentlicht.


Zum aktualisierten Referentenentwurf erfolgen in den nächsten Wochen noch abschließende Erörterungen mit den Ländern und hauptbetroffenen Verbänden. Es können sich daraus durchaus noch Veränderungen des Entwurftextes ergeben.