Medienbericht

Neue Castoren sollen angeblich nur in rot-grüne Länder

Für eine Zwischenlagerung des restlichen deutschen Atommülls aus dem Ausland fasst der Bund einem Medienbericht zufolge nur Standorte in rot-grün regierten Bundesländern ins Auge. Das dürfte eindeutig politische Hintergründe haben, könnte aber auch mit den Transportwegen zusammenhängen. Das Endlagergesetz steht auf der Kippe.

Castor© Tiero / Fotolia.com

Hannover (AFP/red) - Das geht aus einer Vorlage von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) für das Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder am Donnertag in Berlin hervor, wie er NDR am Donnerstag berichtete.

Keine neuen Castoren nach Gorleben

Die Suche nach Zwischenlagern für die restlichen Castoren aus dem Ausland ist ein wichtiges Detail bei den Gesprächen über das neue Endlagersuchgesetz. Bislang gingen alle Behälter mit Müll aus der Wiederaufarbeitung deutscher Reaktorbrennstäbe in ein Zwischenlager nach Gorleben in Niedersachsen. Das Land hatte als Teil des Kompromisses zum Neustart der Endlagersuche aber durchgesetzt, dass der Standort keine neuen Lieferungen erhält.

Rot-grüne Länder haben bereits Zusagen gemacht

Das von SPD, Grünen und SSW regierte Schleswig-Holstein und das von Grünen und SPD regierte Baden-Württemberg erklärten sich generell bereit, die meisten der fraglichen 26 Castoren in Lagern auf ihrem Gebiet aufzunehmen. Für sechs oder sieben muss noch ein Stellplatz gefunden werden. Aus rot-grün regierten Ländern war gefordert worden, dass auch Länder aus dem Lager von Union und FDP Teile der Last tragen. In den Zwischenlagern soll der Atommüll so lange aufbewahrt werden, bis ein Endlager fertig ist.

Niedersachsen habe empört reagiert

Dem NDR zufolge schlägt Altmaier in der Vorlage als ein drittes Zwischenlager das stillgelegte Atomkraftwerk Unterweser in Niedersachsen vor, das von SPD und Grünen regiert wird. Die Landesregierung reagierte empört. Sie sei "verwundert bis befremdet", dass Altmaier Unterweser ins Gespräch bringe und damit argumentiere, dass der Transport der Castoren dorthin relativ einfach sei, sagte eine Regierungssprecherin dem Sender. Transportwege hätten in früheren Zeiten auch keine Rolle gespielt.

Die Frage der Transportwege

Unterweser und das ebenfalls als Lager ins Auge gefasste Akw Brunsbüttel sind wegen ihrer Lage an Weser und Elbe direkt per Schiff zu erreichen. Sie wären deshalb günstig für die Lieferung der letzten deutschen Castoren mit hochradioaktivem Abfall, die aus der britischen Atomanlage Sellafield erwartet werden. Das Akw Philippsburg in Baden-Württemberg liegt nahe der französischen Grenze. Aus dem Nachbarland kommen noch einige Castoren mit mittelradioaktivem Abfall zurück nach Deutschland.

An deutschen Atomkraftwerken befinden sich ohnehin bereits Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente. Die Rückstände aus der inzwischen verbotenen Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland dürfen aber nur in speziellen Lagern deponiert werden, die eigens genehmigt werden müssen. Erlaubt ist dies bisher nur in Gorleben.

Quelle: AFP