Standpunkt

Netzentgelte: VDEW befürchtet Investitionsstopp und Personalabbau

Die Netzgeltregulierung der Bundesnetzagentur stößt erwartungsgemäß auf massiven Widerstand in der Energiebranche. Der VDEW hat die Auswirkungen der aktuellen Praxis in einem Modell nachrechnen lassen. Ergebnis: Nur mit Investitionsstopp oder Personalabbau können die verordneten Einsparungen realisiert werden.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Sollte die von der Bundesnetzagentur begonnene Praxis der Netzentgeltgenehmigungen Schule machen, würde dies nach Einschätzung des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) zu einer verstärkten Konzentration auf dem Strommarkt führen. Denn laut einer aktuellen Modellberechnung des Branchenverbandes müsste ein Stadtwerk mit 125 000 Kunden infolge der Netzentgeltregulierung seine Kosten bis zum Jahr 2015 um fast 65 Prozent senken.

"Solche Kostensenkungen sind nicht umsetzbar. Die Vorgaben stehen damit in krassem Widerspruch zum Gesetz. Wir hoffen deshalb auf das Augenmaß der Regulierungsbehörden auf Landesebene, damit die Energieversorgung sicher und zukunftsfähig bleibt", erklärte Roger Kohlmann, stellvertretender VDEW-Hauptgeschäftsführer. Seiner Auffassung nach gefährden die drastische Kürzungen bei den Netzentgelten die wirtschaftliche Basis vieler Stadtwerke und würden zu einer Konzentrationswelle führen. In der kurzen Zeitspanne, in der die Kostensenkung realisiert werden solle, hätten die Unternehmen nur zwei Reaktionsmöglichkeiten: Personalabbau oder Investitionsstopp.

Mögliche Auswirkungen des Netzentgeltgenehmigungsverfahrens sowie der Anreizregulierung nach dem Modell der Bundesnetzagentur hat der VDEW mit einer Modellrechnung an einem Musterunternehmen dargestellt. Dabei handelt es sich um ein größeres Stadtwerk der mittleren Strukturklasse West mit 125 000 Zählern und fast 200 000 versorgten Einwohnern. Auf der Grundlage der in der Diskussion befindlichen Vorhaben zur Regulierung der Netzentgelte müsste dieses Unternehmen seine Kosten in den Jahren 2006 bis 2015 von 42,1 Millionen Euro um knapp 65 Prozent auf 14,9 Millionen Euro kürzen. Dabei müssten die Personalkosten um 7,2 Millionen Euro sinken.