Bericht der Netzagentur

Netzausbau: Kein Anlass zur Entwarnung

Der Ausbau des Stromnetzes in Deutschland kommt trotz aller Beschleunigungsversuche weiter nur im Schneckentempo voran. Die Fahrpläne für den Bau der vom Gesetzgeber als vorrangig bewerteten Leitungen habe teilweise erneut um ein oder gar zwei Jahre nach hinten korrigiert werden müssen.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Bonn (dapd/red) - Das sagte der neue Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, am Freitag bei der Präsentation des Jahresberichts der Aufsichtsbehörde. "Für die Energiewende ist dies eine Besorgnis erregende Nachricht."

Netzausbau als Schlüsselelement der Energiewende

Nach Angaben der Netzagentur wurden bislang erst 214 von insgesamt 1.834 Kilometern der von der Bundesregierung 2009 im Energieleitungsausbaugesetz als vorrangig beurteilten Neubautrassen fertiggestellt. Weniger als 100 Kilometer davon seien auch tatsächlich in Betrieb genommen worden. Der Ausbau der deutschen Hoch- und Höchstspannungsnetze gilt als Schlüsselelement der Energiewende.

Auch wenn im vergangenen Winter in Deutschland ein Blackout vermieden werden konnte, sieht der Behördenchef "keinen Anlass zur Entwarnung". Drei Mal hätten die Netzbetreiber auf ihre Notreserve zurückgreifen müssen, um das Stromnetz stabil zu halten. Er kündigte an, die Netzagentur werde aus den gesammelten Erfahrungen Lehren für den nächsten Winter ziehen.

Alte Kraftwerke als Reserven behalten

Dazu werde der Vorschlag gehören, auf weitere Kraftwerksstilllegungen möglichst zu verzichten und alte Kraftwerke zumindest als Kaltreserve zu erhalten. So mache es in seinen Augen keinen Sinn, die alten Blöcke des Kohlekraftwerks in Datteln stillzulegen, solange das neue Kraftwerk noch nicht in Betrieb sei, sagte Homann.

Außerdem sei es wichtig, die Versorgung von systemrelevanten Gaskraftwerken zu sichern. Im vergangenen Winter waren ausgerechnet in der kritischsten Versorgungsphase mehrere Gaskraftwerke wegen Gasmangel vom Netz genommen worden.

Bereitstellung der Kraftwerke sollte bezahlt werden

Mittelfristig sei außerdem der Aufbau zusätzlicher konventioneller Erzeugungskapazitäten als Sicherheitsreserve notwendig, sagte Homann. Um die dafür notwendigen Investitionen für die Unternehmen attraktiv zu machen, halte die Bundesnetzagentur auch eine Diskussion über Kapazitätsmärkte für sinnvoll, bei denen schon die Bereitstellung der Kraftwerke bezahlt werde. Denn bedingt durch die vorrangige Einspeisung von erneuerbaren Energien werde es derzeit für konventionelle Kraftwerke immer schwieriger, noch die Gewinnschwelle zu erreichen.

Keinen Hehl machte der Netzagentur-Chef daraus, dass durch den beschleunigten Ausbau des Stromnetzes die Netzkosten für die Stromverbraucher steigen werden. "Tempo hat seinen Preis", sagte Homann.