Netzstabilität

Netzagentur relativiert Befürchtungen vor Stromausfall (Upd.)

Die Bundesnetzagentur befürchtet keinen Stromausfall als Folge der Abschaltung eines weiteren Atomkraftwerks am Samstag. "Wir halten die Situation für angespannt, aber noch beherrschbar", sagte Sprecher Rainer Warnecke am Freitag in Bonn. Entlastend wirke auch das gute Wetter.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Bonn (afp/dapd/red) - Es seien seitens der Netzbetreiber mehr Eingriffe erforderlich, um die Netzstabilität zu sichern. Insgesamt herrsche derzeit aber eine verbrauchsärmere, "lastschwächere" Zeit, und das relativ gute Wetter helfe bei der Solarstrom-Produktion. Deshalb sei kein Stromausfall zu befürchten.

Ein weiteres AKW geht vom Netz

Der Atomkraftwerksbetreiber RWE hat am Samstag das Akw Emsland in Lingen wegen Revisionsarbeiten planmäßig vom Netz genommen. Damit sind seit dem Wochenende aus unterschiedlichen Gründen nur noch vier von 17 deutschen Atomreaktoren am Netz. Im vergangenen Jahr lieferten die Atomkraftwerke hierzulande etwa 23 Prozent des gesamten deutschen Strombedarfs.

Sieben Reaktorblöcke hatte die Bundesregierung nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima für drei Monate vorübergehend abschalten lassen, um Zeit für eine Diskussion über einen möglichen vorgezogenen Atomausstieg zu gewinnen. Das Kernkraftwerk Krümmel steht nach einer Panne ohnehin seit längerem still. Vier weitere Akw gingen in den vergangenen Wochen im Zuge längerfristig geplanter Wartungsarbeiten vom Netz. Als fünftes folgt nun entsprechend dem koordinierten Revisionsplan der Meiler in Lingen.

Abschaltungen seien geplant gewesen

Warnecke betonte, die Abschaltung des Akw Emsland und der anderen Akw komme nicht überraschend. Diese seien seit längerem absehbar und von der Netzagentur bereits in dem Bericht über die Auswirkungen des Laufzeitmoratoriums für die sieben ältesten Atomkraftwerke und des Meilers Krümmels berücksichtigt.

Die Behörde hatte diesen im Auftrag des Bundesumweltministeriums erarbeitet und im April vorgelegt. Darin hieß es, es gebe keine Hinweise auf akute Gefahren für die Systemsicherheit wegen der Abschaltung der Reaktoren. Die Netzbetreiber, die bundesweit die Elektrizitätsflüsse organisieren, hätten allerdings darauf hingewiesen, dass in dieser Zeit ein "deutlich erhöhter Koordinationsaufwand im operativen Betrieb" besteht.

Betreiber weisen Vorwuf des "inszenierten Blackouts" zurück

Obwohl bald nur noch vier Kernkraftwerke am Netz seien, führen die Energieversorger ihre Reserve an Gas- und Kohlekraftwerken nicht hoch, kritisierte am Freitag der Sprecher der Anti-Atom-Organisation Ausgestrahlt, Jochen Stay. Ein Sprecher des Stromerzeugers E.ON wies den Vorwurf auf dapd-Anfrage zurück: "Alle betriebsbereiten Kraftwerkskapazitäten sind verfügbar." Es könne mehr als ein Jahr dauern, um eingemottete Kraftwerke wieder ans Netz zu nehmen.