Berechnungen

Netzagentur: Ökostrom-Ausbau wird Strompreis nicht treiben

Der geplante massive Ausbau des Stromnetzes für Ökostrom wird nach Einschätzung der Bundesnetzagentur nicht zu spürbar höheren Strompreisen führen. Laut einem Regierungsgutachten würden allerdings schärfere Sicherheitsvorgaben für Atomkraftwerke die Strompreise deutlich in die Höhe treiben.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Osnabrück/Frankfurt, Main (dapd/red) - Der Präsident der Behörde, Matthias Kurth, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag: "Die gute Nachricht für die Verbraucher ist, dass die Kosten für Bau und Betrieb von Höchstspannungsleitungen derzeit nur etwa 2,5 Prozent des Strompreises ausmachen."

Die gesamten Netzkosten bildeten inzwischen nur noch ein Viertel der Strompreise. Nur etwa jeder zehnte für das Netz zu zahlende Euro fließe in die Fernstraßen des Stromnetzes. "Die jetzt notwendigen Investitionen in die Stromautobahnen zum landesweiten Transport von Ökoenergie werden sich also nur moderat auf den Strompreis auswirken", versicherte Kurth. Hinzu komme, dass die Kosten eines Netzausbaus gestreckt über Betriebsdauer und Abschreibungen einiger Jahrzehnte beim Verbraucher refinanziert würden.

Der Chef der Netzagentur geht davon aus, dass der für eine Energiewende erforderliche Netzausbau um mehrere Tausend Kilometer Leitungen "mindestens 20 bis 30 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren" kosten werde. Sollten die Netzbetreiber dabei verstärkt auf Erdkabel setzen, könnten die Kosten noch deutlich höher liegen, weil "Erdkabel circa zehnmal so teuer sind wie Freileitungen".

Teuer würde die Modernisierung der Atommeiler

Einem Regierungsgutachten zufolge würde sogar umgekehrt ein Schuh draus. Der Strompreis in Deutschland würde nicht durch einen schnellen Atomausstieg, sondern durch ein Festhalten an der Kernkraft und der Modernisierung der Meiler steigen. Das gehe aus der offiziellen Expertise hervor, die die schwarz-gelbe Bundesregierung ihrem eigenen Energiekonzept zugrunde gelegt hat, berichtet die "Frankfurter Rundschau" am Samstag.

Die Arbeitsgemeinschaft Energie der Grünen verweis in der Zeitung darauf, dass das Regierungsgutachten der Institute Ewi, Prognos und GWS bereits mit den weniger scharfen Sicherheitsvorgaben des Bundesumweltministeriums errechnet habe, dass die Strompreise kaum von der Atomkraft beeinflusst würden.

Beim Atomausstieg von Rot-Grün wäre er laut der Studie von 21,7 Cent pro Kilowattstunde (2008) bis 2020 nicht gestiegen und hätte 2030 bei 22,2 Cent/kWh gelegen. Mit Laufzeitverlängerung und ersten Sicherheitskosten würde ein Zwei-Personen-Haushalt bis 2020 mit Atomstrom nur zwölf Euro im ganzen Jahr sparen. Spätestens 2030 ergebe sich exakt derselbe Preis - ohne die zuletzt versprochenen AKW-Nachrüstungen.

Da die Bundesregierung nach der Katastrophe in Japan jedoch angekündigt hat, die Atomsicherheit zu erhöhen, führe das dazu, dass der Atomstrom teurer werde und so die Strompreise insgesamt erhöhe, sagte Astrid Schneider, Bundessprecherin der Arbeitsgemeinschaft Energie der Grünen. "Wird auch nur ein Teil der versprochenen Sicherheitserhöhungen umgesetzt, würde der Strompreis dadurch mit einer Atom-Laufzeitverlängerung umgehend teurer als bei einem Atomausstieg", sagte die Grünen-Politikerin.