Statement

Netzagentur: Kein Blackout in diesem Winter

Entwarnung für Stromkunden: Trotz des Atomausstiegs droht in diesem Winter nach Einschätzung der Bundesnetzagentur kein Blackout. Behördenpräsident Matthias Kurth sagte der Nachrichtenagentur dapd: "Ich denke, es müsste gutgehen." Seine Behörde habe das Menschenmögliche getan, eine Krise zu verhindern.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Bonn (dapd/red) - "Wir haben Situationen simuliert, die so gravierend nicht eintreten müssen: Langanhaltende Kälte, Windstille und mangelnden Sonnenschein", sagte er. Außerdem hätten die Netzbetreiber die Möglichkeit bekommen, nach diesen Worst-Case-Szenarien notwendige Kraftwerke - etwa in Österreich - zu reservieren. Letzte Sicherheit gebe es aber natürlich nicht: "Es gab auch in der Vergangenheit Blackouts trotz der Nutzung der Atomenergie", sagte Kurth.

Der Handlungsbedarf nach der Energiewende ist nach Einschätzung des Behördenchefs groß. "Das Stromnetz in Deutschland ist am Rande der Belastbarkeit - in diesem und auch im nächsten Jahr. Wir dürfen es uns in dieser angespannten Situation nicht gemütlich machen", mahnte er.

Notwendig sei nicht nur der zügige Ausbau des Hochspannungsnetzes, sondern auch ein Zubau an konventionellen Kraftwerken vor allem in Süddeutschland. Doch hier hakt es nach Meinung Kurths. "Wir sehen leider keine konkreten zusätzlichen Planungen, wie in Süddeutschland die Reserve an konventioneller Erzeugung aufgestockt werden könnte."

Keine Angst vor Preisexplosion

Der Hintergrund: Die Stromerzeuger haben Pläne für Kraftwerksneubauten vielfach auf Eis gelegt, weil sich aus ihrer Sicht die hohen Investitionen aufgrund der niedrigen Strompreise nicht rechnen - zumal konventionelle Kohle und Gaskraftwerke wegen des Vorrangs erneuerbarer Energien bei der Einspeisung immer weniger laufen. Hier sieht Kurth Handlungsbedarf. "Wir sollten uns ansehen, wie wir im Erzeugungsbereich verlässliche Rahmenbedingungen schaffen können, die den Bau neuer konventioneller Kraftwerke in Deutschland ermöglichen", rät er.

Gleichzeitig bemühte sich der Präsident der Netzagentur, Ängste vor einer Preisexplosion durch den Atomausstieg zu dämpfen. "Die Strompreise an der Börse waren vor der Energiewende schon einmal viel höher als heute", betonte er. Seit der Abschaltung der Altreaktoren sei der Strompreis nur um 10 bis 15 Prozent gestiegen. Tatsächlich dämpften die erneuerbaren Energien den Strompreis, wenn sie am Netz seien.

"Auch der Netzausbau wird trotz seiner Milliardenkosten daher nicht zu einem unmittelbaren Preisschock führen", sagte Kurth. Die notwendigen Milliardeninvestitionen würden über 20 bis 30 Jahre auf den Strompreis verteilt. Dies werde aber erst frühestens in drei bis vier Jahren beginnen.

Natürlich sei nicht auszuschließen, dass die EEG-Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien weiter steige, räumte Kurth ein. Doch gebe es "immer noch für viele Verbraucher die Möglichkeit, zu günstigen Anbietern zu wechseln und damit ihre Energiekosten zu dämpfen. Die Verbraucher müssen hier noch aktiver werden."

Kurth räumt Ende Februar den Chefsessel der Bundesnetzagentur. Doch für seinen designierten Nachfolger, Jochen Homann, sieht der scheidende Präsident noch viel Arbeit: "Die größte und komplexeste Aufgabe ist sicher die Beschleunigung des Übertragungsnetzausbaus", betonte er.