Kapazitäten

Netzagentur: Der Winter kann kommen

Sorgen in der Bevölkerung, wonach wegen etlicher Kraftwerks-Stilllegungen ein Blackout im Stromnetz drohen könne, seien unbegründet, sagt die Bundesnetzagentur. Die Kapazitäten reichten. Was wirklich fehlt, seien allerdings Transportwege, um den Strom von Nord nach Süd zu transportien.

Windenergie© E. Schittenhelm / Fotolia.com

Bonn (dpa/red) - Die Energiebranche ist nach Einschätzung der Netzagentur gut auf den kommenden Winter vorbereitet. Die Gasspeicher füllten sich und beim Strom stünden bis auf eine Restmenge von 500 Megawatt die notwendigen Reservekraftwerke bereit, sagte der Präsident der Behörde, Jochen Homann, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Donnerstag). "Ich bin zuversichtlich, dass wir nicht im Dunkeln sitzen müssen. Der Winter kann kommen." Im Moment gebe es in Deutschland immer noch mehr Kraftwerkskapazität als benötigt werde, der Hauptteil davon in Norddeutschland. Es fehlten lediglich Möglichkeiten, den Strom nach Süden zu transportieren.

Homann: Kein zusätzlicher Bedarf

Einen zusätzlichen Bedarf an konventioneller Kraftwerkskapazität sieht die Behörde derzeit nicht. In den vergangenen Wochen und Monaten haben mehrere Erzeuger angekündigt, Gas- und Kohlekraftwerke endgültig oder vorübergehend stillzulegen. Durch den starken Zubau von erneuerbaren Energien sind die Preise an der Strombörse stark gefallen. Konventionelle Kraftwerke werden unrentabel, weil Strom aus Wind und Sonne Vorfahrt bei der Einspeisung in die Netze hat. Laut Bundesnetzagentur liegen derzeit Stilllegungsanträge für 28 Kraftwerksblöcke mit einer Leistung von 7000 Megawatt vor, davon acht Blöcke mit knapp 2000 Megawatt in Süddeutschland.

Es hakt weiterhin beim Netzausbau

Werden die Blöcke von den Netzbetreibern als systemrelevant eingestuft, müssten sie länger am Netz bleiben. Dafür erhalten die Betreiber dann Entschädigungszahlungen. Gut zwölf Kraftwerksblöcke hätten die Übertragungsnetzbetreiber bereits als nicht systemrelevant eingestuft, sagte ein Sprecherin der Behörde. Dies bezieht sich aber nur auf Anlagen, die die Stromerzeuger endgültig stilllegen wollen.

Homann räumte in dem Gespräch mit der Zeitung ein, dass der Netzausbau nicht so schnell voranschreitet wie ursprünglich gedacht. "Es gibt Vorhaben, wo wir uns absolut keine weitere Verzögerung mehr leisten können, etwa die Thüringer Strombrücke". Sie müsse bis Ende 2015 stehen, weil dann das Kernkraftwerk in Grafenrheinfeld in der Nähe von Schweinfurt vom Netz gehe.

Quelle: DPA