Spekulationen

Nazi-Atommüll soll 1967 in der Asse versenkt worden sein

Grüne und Linke in Niedersachsen wollen sich mit Hilfe bislang unzugänglicher Akten Klarheit über eine mögliche Einlagerung von Abfällen aus der NS-Atombombenforschung im Bergwerk Asse verschaffen. Auslöser war ein alter Zeitungsbericht aus 1974, der plötzlich wieder ans Licht kam.

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Remlingen (dapd/red) - Dem Asse-Untersuchungsausschuss des niedersächsischen Landtags stünden immer noch nicht alle angeforderten Dokumente zur Verfügung, sagte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel am Dienstag der Nachrichtenagentur dapd.

Alter Zeitungsbericht ist wieder aufgetaucht

Auslöser der neuen Atommüllspekulationen war ein wieder aufgetauchter Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" vom 29. Juli 1974. Das Blatt zitierte seinerzeit den damaligen stellvertretenden Asse-Betriebsleiter mit der Aussage, 1967 seien in dem Bergwerk "als erstes radioaktive Abfälle aus dem letzten Krieg versenkt" worden. Es habe sich dabei um Uranabfälle gehandelt, "die bei der Vorbereitung der deutschen Atombombe anfielen".

Diese Abfälle "mussten wir nämlich aus Betonbunkern in der Nähe von München herausholen, wo sei seinerzeit deponiert worden waren", berichtete der Asse-Mitarbeiter damals weiter. Die Nationalsozialisten hatten in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs mit Hochdruck an der Entwicklung einer eigenen Atombombe gearbeitet. Das Vorhaben scheiterte unter anderem wegen fehlender Rohstoffe sowie der Emigration führender deutscher Kernphysiker ins Ausland.

Bundesamt: Keine Kenntnisse über NS-Forschung

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) äußerte sich zurückhaltend zu dem Bericht. Dem Amt lägen derzeit keine Erkenntnisse über Abfälle in der Asse aus Forschungen der Nationalsozialisten vor, sagte BfS-Sprecher Werner Nording. Ob eingelagertes Material bei der Entwicklung angefallen sei, lasse sich auf Grundlage der vorliegenden Aufzeichnungen nicht beantworten.

Aus der Dokumentation, die der bis Ende 2008 verantwortliche Asse-Betreiber Helmholtz Zentrum München dem BfS übergeben habe, gehe in der Regel nicht hervor, wo und warum eingelagerte Abfälle entstanden seien. "Fakt ist, dass in der Asse auch Uran eingelagert wurde", sagte Nording.

Wenzel bekräftige die Forderung seiner Fraktion nach Veröffentlichung aller Asse-Unterlagen. Das betreffe unter anderem Akten des Bundeskanzleramtes, des vormaligen Kernforschungszentrums Karlsruhe und der Euratom. "Ich gehe davon aus, dass sich in diesen Papieren noch etwas findet", sagte er.

Linke: Öffentlichkeit hat Recht auf Klarheit

Die Linke verlangte, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse ihre Blockade des Asse-Untersuchungsausschusses endlich aufgeben. Die Weigerung, alle alten Asse-Akten freizugeben, nährt den Verdacht, "dass dem Kanzleramt unbekannte und noch nicht aufgearbeitete Erkenntnisse vorliegen", sagte der Linke-Landtagsabgeordnete Victor Perli. Die Öffentlichkeit und vor allem die Beschäftigten und Anwohner der Asse hätten ein Recht darauf, zu erfahren, ob auch Uranabfälle aus der Nazizeit in der Asse lägen.

Aus Sicht der FDP sollten die Politiker ihren Blick vor allem auf die zukünftigen Anforderungen richten. Die Menschen in der Region wollten wissen, wie es 2011 weitergehe, sagte der Obmann der Liberalen im Asse-Untersuchungsausschuss, Björn Försterling.

Das ehemalige Salzbergwerk Asse gilt als einsturzgefährdet und droht voll Wasser zu laufen. Um die Anlage sicher zu schließen, will das BfS möglichst alle Abfälle aus dem Bergwerk herausholen. Noch in diesem Jahr wollen Experten eine erste Kammer mit Atommüll anbohren, um Informationen über den Zustand der eingelagerten Fässer zu erhalten. Von 1967 bis 1978 wurden in das Bergwerk rund 126.000 Fässer mit schwach und mittel radioaktivem Atommüll gebracht.