Blockade

NaturEnergieFORUM 2002: Gesellschaft ist nicht bereit zum Wandel

Auf dem Forum des Ökostromanbieters NaturEnergie haben in der vergangenen Woche Experten aus der Energiebranche über "Wechsellust und Wechselfrust" diskutiert. Prominenter Redner war der in London lebende Soziologe und Politiker Ralf Dahrendorf, der die Gesellschaft als blockiert bezeichnete, weil keinerlei Bereitschaft zum Wandel vorhanden sei.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Verbraucher und Anbieter brauchen mehr Mut zu Neuem. So lautete das Fazit des NaturEnergieFORUMS 2002. Bei der Veranstaltung in Grenzach-Wyhlen diskutierten Experten aus Unternehmen, Energiewirtschaft, Wissenschaft, Umweltschutz und Medien unter dem Motto "Wechsellust und Wechselfrust", was Verbraucher zu nachhaltigem Konsum bewegt. Der Strommarkt, auf dem die Bereitschaft zum Anbieterwechsel bisher sehr gering ist, stand dabei im Mittelpunkt.

Gesellschaft ist blockiert

Die Bereitschaft zum Wandel sei derzeit in Deutschland kaum vorhanden, die Gesellschaft "blockiert", analysierte denn auch der in London lebende Soziologe und Politiker Ralf Dahrendorf in seinem Vortrag. Dies zeige sich auch im Energiemarkt: Vier Jahre nach der Liberalisierung hätten nur knapp vier Prozent der Haushalte ihren Anbieter gewechselt, 30 Prozent hätten einen neuen Tarif bei ihrem alten Versorger gewählt. Dabei seien gerade im Energiebereich die Voraussetzungen für Veränderungen gut: "Der Druck auf Wandel ist gepaart mit der Aussicht auf Erfolg", so Dahrendorf. Regenerative Energien würden Umweltverträglichkeit und Versorgungssicherheit verbinden und dies sei ermutigend. In den Diskussionsbeiträgen wurde deutlich, dass viele Verbraucher Angst hätten, bei einem Wechsel des Anbieters auf die gewohnte Sicherheit der Stromversorgung verzichten zu müssen. Oder dass ihnen das Produkt Strom - trotz teurer Werbekampagnen der Großkonzerne - schlicht egal ist. So müssten die Anbieter nach Ansicht des Psychoanalytikers und Publizisten Micha Hilgers nicht "den Strom bewerben, sondern das Verbraucherverhalten umwerben". Den Konsumenten müsse vermittelt werden, dass sie die Macht haben, durch ihr eigenes Verhalten Einfluss auf den Markt zu nehmen.

Erfolgsfaktor: Mund-zu-Mund-Propaganda

Insbesondere durch den Wechsel zu einem Anbieter von Grünstrom, der aus erneuerbaren Quellen ohne Ausstoß von klimaschädlichen Gasen erzeugt wird, könnten Verbraucher direkt Einfluss auf die Art der Stromproduktion nehmen. "Da dies aber vielen Stromkunden nicht bewusst ist, müssen Anbieter von Grünstrom Extra-Anreize schaffen, um Neukunden zu gewinnen", erläuterte Andreas Fußer, Vorstand der NaturEnergie AG, die Strategie seines Unternehmens. Neben vergünstigten Kombiangeboten setzt der Grünstromanbieter auf Fürsprecher mit hoher Bekanntheit und Glaubwürdigkeit. Kooperationspartner wie der Deutsche Alpenverein empfehlen beispielsweise ihren Mitgliedern den sauberen Strom aus Wasser und Sonne. Auch Barbara Birzle-Harder vom Institut für sozial-ökologische Forschung sieht die erfolgversprechendste Strategie zu einem veränderten Konsumentenverhalten in "Mund-zu-Mund-Propaganda im eigenen sozialen Umfeld". Die Energieversorger müssten sich von den gängigen Marketingstrategien lösen und könnten durch Bonussysteme ihre eigenen Kunden zu Botschaftern des Unternehmens machen.

Journalistenpreis an SWR-Reportage

Welche Zukunftsperspektiven sich durch die Nutzung regenerativer Energien ergeben, war auch Thema des Journalistenpreises "Stromerzähler" der NaturEnergie AG, der erstmals ausgeschrieben wurde. Im Rahmen des NaturEnergieFORUMs 2002 fand die Preisverleihung statt. Von einer Jury wurden sechs Medienberichte ausgezeichnet, die Projekte zur regenerativen Energiegewinnung vorstellten. Der "Stromerzähler in Gold" ging an Sabine Fillisch für eine im SWR-Hörfunk ausgestrahlte Reportage über den "Hochrhein als Wiege der europäischen Wasserkraft". Der freie Journalist Lucian Haas aus Bonn bekam den zweiten Preis für einen Bericht in der Berliner Zeitung über das "Dornröschenkraftwerk", den geplanten Neubau des Wasserkraftwerkes Rheinfelden. Weitere Auszeichnungen gingen an Johannes Bernreuter, Bernward Janzing, Tim Schröder und Christian Herbst für Beiträge, die in Medien wie "Der Spiegel", der "Financial Times Deutschland" oder den Fachzeitschriften "Photon" bzw. "Neue Energie" veröffentlicht wurden.

Weiterführende Links