NaturEnergie und "HochrheinStrom": Eine gerichtliche Auseinandersetzung um mehr als nur einen Namen

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com
Seit November 2000 streitet sich der Ökostrom-Anbieter NaturEnergie mit den Stadtwerken Waldshut-Tiengen um den Markennamen "HochrheinStrom". Damals gab das Unternehmen aus Grenzach-Whylen eine Umfrage in Auftrag, die klar zeigte, dass die meisten Kunden mit dem Namen "HochrheinStrom" die Erzeugungsart, Wasserkraft, in Verbindung bringen. Daraufhin beantragte NaturEnergie eine einstweilige Verfügung gegen die Stadtwerke, die ihren Strom so nennen, weil ihr Unternehmen am Hochrhein angesiedelt ist (das strom magazin berichtete, bitte lesen Sie hier). Soweit so gut - allerdings geben sich die Stadtwerke noch nicht geschlagen. Jetzt haben sie Berufung angekündigt, so dass der Markenstreit um "HochrheinStrom" noch nicht vorbei ist. Die NaturEnergie AG veröffentlichte heute weitere Hintergrundinformationen, die ihre Hartnäckigkeit bei diesem Thema begründen sollen.


Da die Herkunft des Stroms zunehmend ein Thema wird, geht es dabei vor allem um seine Qualität. Diese zeige sich einzig in seiner Herstellung: Werden knappe Ressourcen geschont, wird Kohlendioxid-Ausstoß vermieden, geht es ohne Sicherheitsrisiken, kommt der Strom aus heimischen Quellen, seien dabei nur die wichtigsten Fragen. Da man diese Eigenschaften nicht sehen kann, sei es für qualitätsorientierte Stromanbieter wie die NaturEnergie AG umso wichtiger, ihren Strom zur Marke zu machen und ihm damit ein Profil zu geben. Service und Markenbildung sollen Vertrauen und Orientierung schaffen. Herkunftsort und Produktionsart würden bei der Stromwahl immer wichtiger.


Alles andere als transparent ist hingegen nach Ansicht der NaturEnergie AG die neugeschaffene Bezeichnung "HochrheinStrom" der Stadtwerke Waldshut-Tiengen. So könnte man aufgrund des Namens meinen, der hier angebotene Strom komme aus der Region Hochrhein - oder sogar aus der Wasserkraft des Hochrheins. Das ist jedoch nicht der Fall. Nach Auffassung der NaturEnergie AG geht es bei der Auseinandersetzung nicht nur um einen markenrechtlichen Streit um die geographische Herkunftsbezeichnung. Die Gerichte hätten zudem noch darüber zu entscheiden, ob es sich bei der Bezeichnung "HochrheinStrom" auch um eine Irreführung der Verbraucher handelt. "Wir wollen die Bezeichnung Hochrheinstrom nicht verwässern lassen", erklärt Kai-Hendrik Schlusche, Vorstand der NaturEnergie AG. Schließlich wolle das Unternehmen Strom aus Wasserkraft vom Hochrhein bundesweit als Premiumstrom bekannt und zum Exportschlager der Region machen.


Die Auseinandersetzung zwischen den Stadtwerken Waldshut-Tiengen und der NaturEnergie AG wird voraussichtlich am 1. März vor dem Oberlandgericht Karlsruhe fortgesetzt.