NaturEnergie schreibt im 2. Geschäftsjahr schwarze Zahlen

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com
Mit 144 500 Ökostromkunden bundesweit und einem Umsatz von 29,9 Millionen Mark hat die NaturEnergie AG, Grenzach-Wyhlen, ihr zweites Geschäftsjahr abgeschlossen. Damit ist die NaturEnergie AG Marktführer bei den reinen Ökostromanbietern. Das ist das positive Fazit, das der Vorstand auf der Jahrespressekonferenz in Stuttgart zog. Für das Geschäftsjahr 2000/2001 erwartet die NaturEnergie AG eine Umsatzsteigerung von gut 20 Prozent auf 36 Millionen Mark.


"Die Bereitschaft privater Stromverbraucher, ihren Lieferanten zu wechseln, ist noch nicht sehr groß. Da sind irreale Ängste am Werk, was die Versorgungssicherheit betrifft", sagte Kai-Hendrik Schlusche, Vorstand Kundenservice und Großkunden der NaturEnergie AG. "Diese Zurückhaltung ist bei grünem Strom noch größer als bei Egalstrom, der bekanntlich aus Atom- oder Kohlekraftwerken kommt" so Schlusche. Mit mehr Service, der hohen Qualität des Stroms der Marke NaturEnergie und der Einfachheit des Anbieterwechsels werde man jedoch weitere Neukunden gewinnen und die Position als Marktführer festigen. Auf die verhaltene Wechselbereitschaft will die NaturEnergie AG mit einer strategischen Neuausrichtung reagieren. "Wir gehen raus aus der puren Öko-Ecke," sagte Andreas Fußer, Vorstand Privatkunden der NaturEnergie AG. Schließlich seien die Kunden des Unternehmens keine "Öko-Aktivisten", sondern verantwortungsbewusste Menschen, die bequem ihren Beitrag zu einer sauberen Umwelt leisten wollen. "Umweltschutz auf Knopfdruck" lautet das Motto der von der Düsseldorfer Agentur Butter neu entwickelten Werbekampagne.


Scharfe Kritik übte Fußer an der Kommunikationsstrategie der Energiemultis. So werbe aktuell ein Energieriese mit bekannten Schauspielern für seine neue Strommarke unter dem Slogan "Strom aus Sonne, Wasser und Wind." Gleichzeitig baue er das Atomgeschäft mit osteuropäischen Kraftwerken aus, so als Hauptabnehmer des umstrittenen tschechischen Reaktors Temelin. Zur Situation auf dem Ökostrommarkt erläuterte Fußer, dass dieser mit über 70 Wettbewerbsangeboten für den Stromkunden wenig transparent sei. Auch habe sich bisher keines der vielen Qualitätssiegel durchgesetzt. Die NaturEnergie AG setzt bei seiner Marke NaturEnergie Gold auf das Zertifikat des Ökoinstituts Freiburg und hat NaturEnergie Silber vom TÜV Management-Service Süd zertifizieren lassen. "Am meisten Glaubwürdigkeit erzielen wir aber durch Besichtigungen der modernen und architektonisch schönen Wasserkraftwerke, von denen wir einen Großteil unseres Stroms beziehen," ergänzte Fußer.


Eine Gefahr für den gerade erst angelaufenen Ökostromhandel sieht das südbadische Unternehmen in überhöhten Netznutzungsgebühren und Bilanzierungspauschalen der Netzbetreiber. "Wir haben inzwischen mit vielen Netzbetreibern Verträge zur Belieferung unserer Kunden abgeschlossen. Aber pauschale Gebühren von bis zu 200 Mark pro Monat unabhängig von der Zahl der Kunden pro Netzgebiet machen die Belieferung unwirtschaftlich," beklagte Fußer in Stuttgart. "Die Politik ist hier gefordert, diesem modernen Raubrittertum einen Riegel vorzuschieben."