Hintergrundinformation

NaturEnergie AG: Was kostet der Strom und wer kassiert?

Der Ökostromhändler NaturEnergie AG fordert die Abschaffung der Ökosteuer auf Ökostrom und erklärt in einer Hintergrundinformation auch warum.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com
Strom wird wieder teurer. Seit Anfang des Jahres haben fast alle Stromanbieter ihre Preise erhöht - auch die Billiganbieter, die im Sommer 1999 mit ihren Kampfpreisen den Wettbewerb um den Stromkunden eröffnet hatten. Dabei können Stromhändler nur knapp ein Drittel des Preises direkt beeinflussen, vor allem durch die Auswahl ihrer Energiequellen. Wer seinen Kunden billigen Strom anbietet, hat meist auch Dumpingstrom mit unsicherer Herkunft eingekauft. So sieht das jedenfalls der Ökostromhändler NaturEnergie AG aus Grenzach-Wyhlen. Der größte Teil der Stromkosten sei dagegen durch den Händler nicht zu beeinflussen: Über dreißig Prozent des Strompreises würden mittlerweile durch die so genannte Staatsquote bestimmt - Steuern, Abgaben und Umlagen. Etwa vierzig Prozent kassieren die Netzbetreiber, in der Regel der örtliche Stromversorger, erklärt das Unternehmen weiter.


Gleichzeitig weist das Unternehmen darauf hin, dass bei den Preisen die Stromquelle den Unterschied mache. Wenn über 70 Prozent der Kosten für Strom allein auf Staatsquote und Gebühren an die Netzbetreiber fallen und beim Aufwand für Service, Kundenverwaltung und Werbung mit fünf bis zehn Prozent Anteil die Einsparpotentiale der Stromhändler nahezu ausgeschöpft sind, sei einzig die mit etwa 21 Prozent zu Buche schlagende Beschaffung ausschlaggebend, rechnet NaturEnergie vor. Während die Kilowattstunde Strom aus neuen hochmodernen Gas- und Dampfkraftwerken in heimischer Produktion durchschnittlich 7,5 Pfennig kostet, ist Dumpingstrom aus maroden osteuropäischen Kraftwerken schon für 2,5 bis vier Pfennig zu haben. "Wer die billigste Quelle hat, kann am billigsten anbieten", bringt es Kai-Hendrik Schlusche, Vorstand der NaturEnergie AG, auf den Punkt.


Schlusche ist überzeugt, dass der umweltfreundlich erzeugte Strom mit Herkunftsgarantie seines Unternehmens mancherorts sogar günstiger ist als der Standardtarif der Altanbieter, "die nach wie vor auf die Trägheit der Kunden setzen". Er fordert eine Abschaffung der Ökosteuer für Ökostrom und rechnet vor: Das Gesetz für den Vorrang Erneuerbaren Energien (EEG) und das Gesetz zum Schutz der Stromerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWKG) fördern umweltfreundliche Energieerzeugung. Dazu wurden Mindestvergütungen für die Einspeisung in das Stromnetz festgelegt. Die entstandenen Mehrkosten werden nach einem komplizierten Berechnungsverfahren auf alle Elektrizitätsversorger umgerechnet. Pro Kilowattstunde Strom bedeutet dies für den Endverbraucher einen Aufschlag von etwa einem Pfennig ohne Mehrwertsteuer. Weitere drei Pfennig netto je Kilowattstunde entfallen auf die jährlich steigende Ökosteuer, die zum Jahreswechsel wieder um einen halben Pfennig erhöht wird. Dazu kommt noch die Konzessionsabgabe an die Städte und Gemeinden. Für die Nutzung ihrer Wege und Straßen für die Verlegung von Stromleitungen können sie je nach Einwohnerzahl zwischen 2,6 und 4,6 Pfennig pro Kilowattstunde verlangen. Schließlich gehört zur Staatsquote noch die Mehrwertsteuer in Höhe von 16 Prozent, mit der selbst die Ökosteuer beaufschlagt wird. "Ökosteuer auf Ökostrom - das ist kontraproduktiv", mahnt Schlusche schon seit Beginn der Einführung vor zwei Jahren. "Durch eine Ökosteuer-Befreiung von Strom, der nachweislich und ausschließlich aus erneuerbaren Quellen kommt, könnte die Bundesregierung dazu beitragen, dass Ökostrom billiger wird und sich mehr Verbraucher für einen Wechsel zu sauberem Strom entscheiden."


Auch mit den Netznutzungsgebühren haben viele der neuen Anbieter ihre Probleme. Immerhin entfielen etwa 38 Prozent der Stromkosten auf diesen Bereich, weiß Schlusche. Die Netzbetreiber verlangen von den Stromhändlern für Haushaltskunden zwischen 10,5 und 15,5 Pfennig je Kilowattstunde durchgeleiteten Strom. Dazu kommen einmalige Wechselgebühren von bis zu 100 DM je Kunde, Zählermiete und Grundgebühr bis zu 120 DM pro Jahr und Abnahmestelle sowie für Verwaltungsaufwand eine monatliche Bilanzierungspauschale von bis zu 200 DM, unabhängig davon, wie viele Kunden der Händler im jeweiligen Netz beliefert. Für NaturEnergie-Vorstandskollege Andreas Fußer ist dies "modernes Raubrittertum". Der Handel mit Ökostrom werde so massiv behindert und drohe unwirtschaftlich zu werden. Immer lauter werden daher in letzter Zeit die Rufe nach einer Schiedsstelle für den Strommarkt ähnlich der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post. "Die Politik muss endlich klare Rahmenbedingungen schaffen", fordert Fußer. "Nur dann kann der Handel mit Grünem Strom seinen Beitrag zur Erreichung der beschlossenen Klimaschutzziele leisten."