Statement

Nachhaltigkeitsrat sieht Schieflage in Strompreisdebatte

Eine Schieflage in der aktuellen Strompreisdiskussion hat der von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) berufene Rat für Nachhaltige Entwicklung kritisiert. Zwar sei die Energiewende nur der Grund für einen Teil der Kostensteigerungen bei den Privathaushalten, werde aber oft allein dafür verantwortlich gemacht.

Energieerzeugung© Schroptschop / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) - Das erklärte der Rat am Donnerstag in Berlin. Beispielsweise mache die Stromrechnung nur zwei bis drei Prozent der Gesamtkosten eines Durchschnittshaushalts aus, während die Kosten für Wärme und Benzin das Schwergewicht der Energieausgaben bildeten.

Was lösen die steigenden Preise genau aus?

Der Nachhaltigkeitsrat wandte sich auch dagegen, hohe und steigende Energiepreise von vornherein "im politischen Reflex" zu bekämpfen. "Vielmehr ist nüchtern zu fragen, welche Verteilungswirkungen sie haben, welche Innovationen sie möglicherweise auslösen und welche Auswirkungen sie auf die ökonomische Stabilität haben", verlangte der Nachhaltigkeitsrat in einem Positionspapier. So führten hohe Energiepreise auch zur Modernisierung von Produktion und Energienutzung. Allerdings müsse dies durch politisches Handeln begleitet werden.

Markt soll an die Energiewende angepasst werden

Auch der Nachhaltigkeitsrat forderte eine Reform des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG), um den Ökostrom "systemverträglich auszubauen". Das EEG habe erfolgreich die ersten 25 Prozent erneuerbaren Stroms in das deutsche Stromnetz integriert; für einen weiteren Ausbau fehle aber bislang dem Gesetz die Nachhaltigkeit, die daher entwickelt werden müsse. Dabei müssten jedoch "die Rahmenbedingungen des Marktes an die Energiewende angepasst werden, nicht umgekehrt", verlangten die Experten. Um soziale Schieflagen zu vermeiden, müssten beispielsweise Privilegien für Großverbraucher überprüft werden.

Emissionshandel korrigieren: Ja zu EU-Vorschlägen

Um Impulse für Innovation und Klimaschutz zu verstärken, fordert der Nachhaltigkeitsrat zudem Korrekturen beim Emissionshandel in der EU. "Eine schnelle und in der Richtung sinnvolle Lösung ist die Verringerung der Anzahl von Zertifikaten", stellten sich die Experten hinter entsprechende Empfehlungen der EU-Kommission, die auf deutscher Seite bislang besonders von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) blockiert werden. Außerdem gebe es "auf Seiten der Konsumenten noch erhebliche Potenziale zum Stromsparen und zur effizienteren Nutzung des Stroms, die erschlossen werden müssen".

Quelle: AFP