Nachgefragt: Hält ares PowerPhone, was es verspricht?

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Der Berliner Energiedienstleister ares verblüffte in dieser Woche gleich mit zwei Meldungen. Zum einen gab das Unternehmen seinen baldigen Börsengang bekannt, erster Handelstag soll der 16. November sein. Zum anderen bietet der Newcomer mittels digitalem Strom ab sofort Internet- und Telefonzugang über die Steckdose. Dieses Produkt heißt PowerPhone.

Nicht schlecht, was ares da vorlegt. Stellt sich allerdings die Frage, wie gerade ein (vergleichsweise) kleines Unternehmen wie ares die Vorreiterrolle bei der sogenannten Powerline-Technologie spielen kann. Wieso brauchen Stromgiganten wie EnBW oder RWE noch bis Ende nächsten Jahres, um die Technik zur Marktreife zu führen? Die Antwort ist ebenso simpel wie ernüchternd: Das ares PowerPhone-Angebot bietet zwar eine Vernetzung aller hauseigenen Multimedia-Geräte über die Stromleitung, nicht jedoch die Knüller der Powerline-Technik, wie etwa die 20fache Geschwindigkeit der Datenübertragung im Vergleich zu ISDN. Dabei wird klar: ares PowerPhone ist insoweit innovativ, als keine Kabel mehr quer über dem Boden liegen.

Im Gespräch mit dem strom magazin erklärt Annette Stiller, ares-Pressesprecherin, wie es funktioniert: Wer einen PowerPhone-Vetrag für zwei Jahre abschließt, bekommt ein "Gateway" für die Telefondose und einen "Extender" für eine Steckdose mitgeliefert. Diese Hardware ist im Stromvertrag enthalten. Sobald der "Gateway" in der Telefondose steckt, kann in jedem Zimmer mittels des "Extenders" aus der Steckdose gesurft oder telefoniert werden. Wer mehr als einen Extender braucht - und mindestens das ist für ein hauseigenes Netzwerk nötig - zahlt die Hardware extra. Wie viel das und auch der Strom kosten wird, ist noch nicht klar. Die Preise werden erst in den nächsten Tagen bekannt gegeben.

Fazit: ares PowerPhone ist eine gute Möglichkeit, sich das Verlegen von Kabeln zu ersparen. Es steht allerdings in keinem Zusammenhang mit der Powerline-Technologie. Während es bei ares darum geht, die (schon vorhandene) Telefonleitung in jedem Zimmer über die Steckdose zugänglich zu machen, wird bei Powerline keine Telefonleitung mehr gebraucht - die Datenübertragung geschieht dann über die Stromkabel und geht etwa 20 mal schneller als über ISDN. Dafür benötigen die Netzbetreiber allerdings Breitbandfrequenzen, die von der Regulierungsbehörde des Telekommunikationsmarktes noch nicht freigegeben sind. Auch ein Grund dafür, warum die Markteinführung noch bis mindestens Ende 2001/Anfang 2002 auf sich warten lässt.