Kraftwerksneubau

Nachbargemeinde will offenbar gegen Kohlekraftwerk in Ensdorf klagen

Der Streit um das geplante 1600-Megawatt Steinkohlekraftwerk im saarländischen Ensdorf spitzt sich zu. Nach Informationen der "Saarbrücker Zeitung" will die direkt neben der 7000-Einwohner-Gemeinde gelegene Stadt Saarlouis gegen eine Änderung des Ensdorfer Flächennutzungsplanes klagen.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Saarbrücken (ddp-rps/sm) - Dies habe der Bürgermeister von Saarlouis, Roland Henz (SPD), angekündigt. Eine solche Änderung ist dem Bericht zufolge für den Bau der beiden Kraftwerksblöcke nötig.

ver.di-Landeschef Alfred Staudt kritisierte Henz' Ankündigung und warf dem Bürgermeister "Einseitigkeit der Diskussionsführung" vor. "Ich begreife nicht, warum die Arbeitsplatzwirkung einer Zwei-Milliarden-Euro-Investition von vielen einfach ignoriert wird", sagte Staudt. Staudt befürchtet nach eigenen Worten mit dem Ausstieg aus der Steinkohleförderung die mittelfristige Abschaltung aller saarländischen Kohlekraftwerke und einen damit verbunden Wegfall vieler Arbeitsplätze. Staudt kritisierte zugleich Vorschläge der FDP hinsichtlich des Baus eines kleineren Werks.

Die Saar-FDP bekräftigte unterdessen ihre Kritik, wonach der geplante Kraftwerksneubau mit zwei Blöcken "völlig überdimensioniert" sei. Für die produzierte Wärme gebe es in der Region nicht genügend Abnehmer. Zudem dürften die Bürger nicht unter einer erhöhten Schadstoffbelastung leiden.

Der SPD-Umweltexperte Ulrich Commercon plädiert laut Zeitung dafür, nur einen der beiden 800-Megawatt-Blöcke zu bauen. Politiker der FDP und der CDU sagten, der Schadstoffausstoß dürfe durch den Kraftwerks-Neubau nicht steigen. Ministerpräsident Peter Müller (CDU) hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, den Neubau nur zu genehmigen, wenn Gefahren für Mensch und Umwelt ausgeschlossen seien. Man werde sich dabei an den gesetzlichen Grenzwerten orientieren. Gleichwohl sagte er, das Land sei immer Energie-Exportland gewesen, und diese Wertschöpfung müsse "auch weiter im Lande" stattfinden.

Nach den Plänen des Essener Energiekonzerns RWE wird in Ensdorf eine 1600 Megawatt starke Doppelblockanlage für rund zwei Milliarden Euro errichtet. Das Kraftwerk soll spätestens 2012 ans Netz gehen. RWE lehnt dem Bericht zufolge eine Reduzierung des neuen Kraftwerks auf einen Block ab und droht mit dem Rückzug aus dem Projekt.