Mängel im Sicherheitsmanagement?

Nach Vorfall: Block 2 von Philippsburg wird bis zur Klärung abgeschaltet

Nach Ansicht von Bundesumweltminister Jürgen Trittin stellt ein Vorfall im AKW Philippsburg vom August 2001 die Zuverlässigkeit des Betreibers EnBW in Frage. Nach einer Krisensitzung am Wochenende gab die EnBW bekannt, Block 2 des Werks freiwillig abzufahren.

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Das baden-württembergische Kernkraftwerk Philippsburg wird heute aufgrund eines schwerwiegenden sicherheitstechnischen Vorkommnisses im August vorrübergehend abgeschaltet. Nachdem das Bundesumweltministerium am Wochenende auf Konsequenzen drängte, hat sich Betreiber EnBW freiwillig entschlossen, Block 2 des Werks "zur beschleunigten Klärung" vorrübergehend abzufahren.

Zuvor hatte Umweltminister Jürgen Trittin den baden-württembergischen Umweltminister Ulrich Müller zu einem bundesaufsichtlichen Gespräch nach Berlin bestellt. Anlass für das Einschreiten des Bundesumweltministeriums waren die Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit einem meldepflichtigen Vorfall im Atomkraftwerk Philippsburg. Am 25. August war in Block 2 der Anlage festgestellt worden, dass in drei von vier Flutbehältern seit dem 12. August 2001 die spezifizierte Borsäure-Konzentration nicht vorlag. Nach Ansicht des Ministeriums sei das jedoch eine entscheidende Voraussetzung für die Funktionstüchtigkeit dieser Sicherheitseinrichtung. EnBW hatte das Ereignis hingegen als sicherheitstechnisch bedeutungslos gemeldet. Auch am Wochenende blieb das Karlsruher Unternehmen bei seiner Auffassung: "Im Kernkraftwerk Philippsburg bestand zu keinem Zeitpunkt ein Sicherheitsrisiko", hieß es am Samstag in einer Mitteilung.

Flutbehälter sind wesentliche Bestandteile des Sicherheitssystems von Atomkraftwerken. Sie werden insbesondere bei einem großen und mittleren Leckstörfall benötigt, um den Primärkühlkreislauf des Reaktors aufzufüllen. Eine vom Bundesumweltministerium angeordnete Prüfung des Vorfalls durch die Reaktorsicherheitskommission (RSK) und die Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) ergab, dass das Atomkraftwerk weiterbetrieben wurde, obwohl zentrale Vorkehrungen zur Störfallbeherrschung nicht auslegungsgemäß zur Verfügung standen. "Damit war für eine zeitlang nicht sichergestellt, dass der Reaktor bei einem Störfall hätte beherrscht werden können", wertete Trittin die seiner Meinung nach "erheblichen Mängel im Sicherheitsmanagement". Er erwartet dass die EnBW nun sämtliche Ursachen der Fehlhandlungen aufkläre.

Indes bestritt die EnBW, dass der Kraftwerksleiter vom Philippsburg vom Dienst suspendiert worden sei. Richtig sei vielmehr, dass der Leiter des Block 2 für die Zeit der Klärung vorläufig beurlaubt worden ist. Zudem zeigte dich der Energieversorger zuversichtlich, dass die offenen Fragen in möglichst kurzer Zeit für alle Seiten befriedigend beantwortet werden können.