NABU verbittet sich Einmischung Prodis beim deutschen Atomausstieg

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com
Der Naturschutzbund NABU hat den EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi wegen dessen in einem Brief an Edmund Stoiber geäußerter Bedenken gegen einen deutschen Atomausstieg scharf kritisiert. "Statt an dem von der Regierung Schröder eingeschlagenen Weg aus der Atomkraft herumzunörgeln, soll die EU-Kommission lieber ihre energiepolitischen Hausaufgaben machen und ein europäisches Ausstiegskonzept vorlegen", sagte NABU-Präsident Jochen Flasbarth. So sei es nicht länger hinnehmbar, dass etwa hochsubventionierter französischer Atomstrom die Marktchancen regenerativer Energien behindere oder marode Anlagen wie im britischen Sellafield jahrelang die Umgebung verseuchen dürften. "Prodi soll froh sein, dass die deutsche Regierung endlich ernsthafte Anstrengungen zum Ausstieg aus dieser gefährlichen Energieform erkennen lässt", so Flasbarth.


Geradezu aberwitzig sei es, wenn ausgerechnet der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber den Präsidenten der EU-Kommission für seinen anachronistischen Kampf gegen den Atomausstieg instrumentalisiere. "Stoiber, der bislang keine Gelegenheit zu Kritik an der EU ausgelassen hat, erklimmt damit locker den Gipfel bajuwarischer Scheinheiligkeit", sagte Flasbarth. Stoiber müsse sich zudem fragen lassen, wie viel Lagerkapazität für Atommüll sein Land denn zur Verfügung stellen wolle, so Flasbarth: "Scheinbar ist das Sankt-Florians-Prinzip die Leitlinie der bayerischen Atompolitik."