NABU und Greenpeace fordern erneut Ausstieg aus der Atomkraft

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Der Naturschutzbund (NABU) hat die Bundesregierung erneut zum raschen Atomausstieg aufgefordert. "Die Beherrschbarkeit atomarer Risiken hat sich zum wiederholten Mal als Illusion erwiesen", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Gerd Billen. Angesichts der verstrahlten Arbeiter in Tokai-Mura (Japan) bezeichnete Billen das Memorandum von 570 deutschen Wissenschaftlern gegen den Ausstieg aus der Atomenergie als "akademischen Zynismus". Die angeblich sicheren Atomanlagen der Zukunft seien "unbezahlbar und nicht zu realisieren".


Falls bei den Konsensverhandlungen kein zügiger Atomausstieg vereinbart werde, müsse das Aus für die Kernenergie per Atomgesetzänderung auf den Weg gebracht werden. "Spätestens jetzt sollte auch den größten Betonköpfen klar sein, dass eine ebenso gefährliche wie kostspielige Technik wie die Atomkraft keine Zukunft hat - weder in Deutschland noch weltweit", so Billen. Für den NABU sei der Atomausstieg spätestens bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode unabdingbar. Die Bundesregierung dürfe nicht darauf warten, dass der verharmlosende Begriff "Restrisiko" auch hierzulande "schreckliche Wirklichkeit" werde.



Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat sich für einen baldigen Ausstieg aus der Kernenergie ausgesprochen. Das Unglück in Japan zeuge von einem "nicht beherrschbaren Sicherheitsrisiko". Was in Japan passiert ist, nennt die Atom-Industrie Restrisiko. Wir nennen das eine unbeherrschbare Technologie, bei der jeder menschliche Fehler zur Katastrophe führen kann. Wenn 570 deutsche Professoren behaupten, Atomenergie sei nicht gefährlicher als Windenergie, täuschen sie der Öffentlichkeit falsche Tatsachen vor", sagt Greenpeace-Atomexperte Roland Hipp. Und: "Die Realität hat die deutsche Atomausstiegs-Debatte eingeholt. Wer beim Thema Atomausstieg nur über Geld und Wirtschaftlichkeit redet, vergisst, dass Atomkraft tödlich sein kann".



In West-Europa stehen nach Greenpeace-Berichten ähnliche Brennelement-Fabriken wie die
Unglücksanlage im japanischen Tokai Mura, etwa in Belgien, England und Frankreich. "Der Unfall in Japan beweist, dass es nicht nur in Atomkraftwerken, sondern in jeder Atomanlage jederzeit zur Katastrophe kommen kann. Alle Stufen der Atomtechnologie, von der Herstellung von Uran-Brennstäben bis hin zur ungeklärten Müll-Beseitigung, stellen eine Dauerbedrohung für Mensch und Umwelt dar," so Hipp.