MVV: Stromwettbewerb braucht Ordnungsrahmen

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com
Die deutschen Stromverbraucher müssen in Zukunft wieder mit steigenden Preisen rechnen, wenn sich der Konzentrationsprozess unter den Energiekonzernen weiter zuspitzt. Diese Auffassung vertritt Roland Hartung, der Vorstandssprecher der Mannheimer MVV Energie AG. Er fordert einen ordnungspolitischen Rahmen und die Unabhängigkeit von Energieerzeugung und -verteilung. "Es gibt in Deutschland keine klare Vorstellung darüber, wie ein dauerhafter und volkswirtschaftlich sinnvoller Wettbewerb zu Gunsten der Verbraucher entstehen soll. Im gegenwärtigen Kampfgeschrei geht dieser Aspekt völlig unter." Entscheidend für nachhaltigen Wettbewerb sei, dass die kommunalen und regionalen Verteilerunternehmen ihre Nachfragemacht gegenüber den großen Verbundunternehmen bündelten. Die seit März 1999 börsennotierte MVV Energie AG verstehe sich als Motor dieser Bewegung, sagte Hartung bei einer Stromkonferenz der Investmentbank Dresdner Kleinwort Benson heute in Berlin.


Früher als die meisten anderen Wettbewerber habe sich die MVV Energie AG dank ihres professionellen Energiehandels und innovativer Multi-Utility-Dienstleistungen auf den radikalen Umbruch der deutschen Strombranche eingestellt.


Die Liberalisierung des Strommarktes Deutschland leide unter einem eklatanten Mangel an ordnungspolitischen Strukturen. Der Verdrängungswettbewerb werde um jeden Preis geführt. Der Markt sei nicht transparent. "Wir sind auf dem Weg zu einem Oligopol weniger Verbundunternehmen, die dank ihrer Markt- und Finanzmacht die Preise diktieren. Und das kann mittel- und langfristig nicht im Sinne des Kunden gewesen sein", sagte Hartung. Nach seiner Überzeugung müssen die Aufgaben zwischen den Energieherstellern einerseits und den Energieverteilern und Netzbetreibern andererseits klar getrennt sein. Durch Kooperation und Zusammenschlüsse in unterschiedlichster Form auf Seiten der Stadtwerke und Regionalversorger könne sich eine kraftvolle Organisation gegenüber den Energieherstellern formieren. "Die MVV Energie AG hat durch ihren Börsengang die notwendigen Weichen gestellt", sagte Hartung vor internationalen Fondsmanagern in Berlin.