Erhöhter Stromabsatz

MVV Energie setzt weiter auf Wachstum

Das Mannheimer Energieverteilungs- und Dienstleistungsunternehmen MVV Energie hat für das laufende Geschäftsjahr Halbzeitbilanz gezogen: Der Umsatz stieg an, das bereinigte operative Ergebnis liegt auf Vorjahresniveau. "Der Erwerb der Stadtwerke Kiel stärkt unsere Marktposition", sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Rudolf Schulten.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Mannheim (red) - Das Energieverteilungs- und Dienstleistungsunternehmen MVV Energie, das sich in Folge seines Börsengangs zum fünftgrößten deutschen Stromversorger entwickelt hat, hat in der ersten Hälfte seines laufenden Geschäftsjahres 2003/04 (1. Oktober 2003 bis 31. März 2004) seinen Umsatz gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um knapp zehn Prozent auf 885 Millionen Euro gesteigert. Das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) lag mit 105 Millionen Euro genau auf Vorjahresniveau. Auf der Halbjahrespressekonferenz betonte Vorstandsvorsitzender Dr. Rudolf Schulten am Montag in Mannheim, dass sich MVV Energie "damit in einer schwierigen Wettbewerbssituation trotz gestiegener Erzeugungspreise, steigender Brennstoffkosten und witterungsbedingter Einbußen im Fernwärmegeschäft in Mittel- und Osteuropa hervorragend am Markt behauptet und weitere Marktanteile gewonnen hat". Mit dem gerade abgeschlossenen Erwerb der Mehrheit an den Stadtwerken Kiel habe MVV Energie gleichzeitig "die Weichen für das weitere Wachstum des Konzerns gestellt und die eigene Marktposition gestärkt".

Sondereffekte beeinflussen Vorjahresvergleich

Der Vorjahresvergleich der Ergebnisgrößen wird in starkem Maße von Sondereffekten im Zusammenhang mit dem letztjährigen Verkauf des Anteils an der Gasversorgung Süddeutschland sowie durch die in diesem Jahr im Zuge der strategischen Neuausrichtung und Konzentration auf das Kerngeschäft verursachten Wertberichtigungen, Abschreibungen und die erforderliche Entschuldung der betroffenen Tochtergesellschaften beeinflusst. Von den dafür erforderlichen einmaligen Aufwendungen von bis zu 52 Millionen Euro sind im ersten Halbjahr bereits 20 Millionen für die Restrukturierung des Powerline-Geschäfts (18 Millionen Euro) und für Wertberichtigungen der spanischen Tochtergesellschaft (2 Millionen Euro) angefallen. Um die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung in den letzten beiden Geschäftshalbjahren vergleichen zu können, wurden die Ergebnisgrößen um die genannten Sondereffekte bereinigt.

Sinkende Strommargen belasten Ergebnisprognose für das Gesamtjahr

Beim Umsatz für das laufende Geschäftsjahr erwartet MVV Energie weiterhin keine wesentlichen Änderungen gegenüber dem Vorjahr. Beim operativen Ergebnis (EBIT) rechnet das Unternehmen aufgrund des zunehmenden Margendrucks im Stromgeschäft sowie von Preisnachlässen und gestiegenen Brennstoffkosten im Entsorgungsgeschäft für 2003/04 ohne Berücksichtigung der einmaligen Restrukturierungsaufwendungen aus dem Fokussierungsprozess mit einem Rückgang gegenüber dem bereinigten Vorjahreswert von 121 Millionen Euro. Dieser Rückgang dürfte im einstelligen Prozentbereich liegen.

Segmententwicklung von unterschiedlichen Faktoren geprägt

Der Außenumsatz im Geschäftssegment Strom erhöhte sich im ersten Halbjahr 2003/04 um 19 Prozent auf 393 Millionen Euro. Dieser Zuwachs resultierte vor allem aus einer um elf Prozent gestiegenen Absatzmenge. Vom gesamten Stromumsatz entfielen 300 Millionen Euro oder 76 Prozent auf die Mannheimer Muttergesellschaft MVV Energie AG, die ihren Stromumsatz damit um 64 Millionen Euro erhöhen konnte. Das bereinigte EBIT hat sich im selben Zeitraum um 4 auf 17 Millionen Euro erhöht. Dieser Zuwachs stammt im Wesentlichen aus Ergebnisverbesserungen bei den Beteiligungen in Offenbach und Ingolstadt.

Der Absatz im Segment Wärme lag dagegen um drei Prozent unter dem Vorjahr, während die MVV Energie im Segment Gas ihren Absatz trotz ungünstiger Witterungseinflüsse im ersten Halbjahr 2003/04 um ein Prozent steigern konnte. Im Wassersegment lag der Umsatz trotz eines leichten Mengenrückgangs auf Vorjahresniveau. Der Umsatz aus dem Entsorgungs- und Energiegeschäft im Segment Müllheizkraftwerke lag geringfügig unter dem Vorjahr. Im Geschäftsfeld Dienstleistungen konnte MVV Energie den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent erhöhen.

Im Segment Erneuerbare Energien erwartet MVV Energie nach den Anlaufverlusten im Vorjahr bereits im laufenden Geschäftsjahr eine schwarze Null. So hat sich das negative EBIT im ersten Halbjahr vor allem durch erstmalige Umsätze aus den drei Ende letzten Jahres in Betrieb genommenen Biomasse-Kraftwerken von 4 auf 1 Million Euro verbessert.

Unternehmen bleibt auf Wachstumskurs

Nach den Worten von Vorstandschef Dr. Rudolf Schulten wird MVV Energie ihren Wachstumskurs durch weitere Beteiligungen an Verteilerunternehmen fortsetzen: "Aufgrund kartellrechtlicher Beschränkungen können sich die inländischen großen Verbundunternehmen kaum noch an weiteren Stadtwerken beteiligen. Gleichzeitig haben sich ausländische Energieunternehmen aus Deutschland zurückgezogen. Daher sehen wir für MVV Energie sehr gute Chancen, zukünftig von den stark gefallenen Preisen für Stadtwerke zu profitieren und sich günstig an profitablen Unternehmen zu beteiligen. Diese Chance wollen wir nutzen, um unser Stadtwerke-Netzwerk weiter auszubauen und unsere Marktposition durch die Multiplikation unseres erfolgreichen Geschäftskonzeptes zu stärken. Daneben wollen wir in unseren Wachstumsfeldern Umwelt - sprich: Müllverbrennung und Biomasse-Kraftwerke - sowie Energiedienstleistungen weiter investieren".

Im Falle weiterer Akquisitionen oder großer Investitionen und einer positiven Börsenentwicklung möchte MVV Energie mit einem zweiten Börsengang sowohl das Eigenkapital als auch die Börsenliquidität erhöhen. Von der letzten Hauptversammlung des Unternehmens im März wurde hierfür bereits eine Kapitalerhöhung von 20 Prozent genehmigt.