Stromausfälle

Münsterland: RWE weiterhin unter Beschuss

Neben der neuen Arbeitsstelle von Ex-Bundeskanzler Schröder erhitzt auch das Vorgehen von RWE bei den tagelangen Stromausfällen im Münsterland weiterhin die Gemüter: NRW-Wirtschaftsministerin Thoben kündigte eine genaue Überprüfung der Preiserhöhungen an, RWE-Chef Roels räumte Kommunikationsfehler ein.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Köln (ddp-nrw/sm) - Die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) droht den Versorgern als Konsequenz aus den Stromausfällen im Münsterland mit einer härteren Gangart. Sie werde die von den Konzernen angekündigten Preiserhöhungen für Privathaushalte genau prüfen, sagte Thoben heute im ARD-"Morgenmagazin".

"Mit mir gibt es kein Durchwinken dieser Anträge", betonte sie. Laut "Focus" wird sie die von RWE beantragten Strompreiserhöhungen nicht genehmigen. Die beiden RWE-Gesellschaften Westfalen-Weser-Ems und Rhein-Ruhr planten Aufschläge um bis zu sechs Prozent und lägen damit im oberen Drittel aller 106 Preiserhöhungen, die Versorgungsunternehmen in NRW beantragt haben.

Ebenso müsse man überlegen, ob die Aufsicht über die technische Sicherheit der Netze nicht noch einmal überprüft werden sollte. Thoben schlug daher vor, eine "laufende Berichtspflicht über besondere Vorkommnisse" einzuführen. Wenn es eine Berichtspflicht gegenüber der Aufsicht im Land und gegenüber der Bundesnetzagentur gäbe, wären die Probleme mit dem bei vielen Masten verwendeten Thomasstahl bereits vor der Schneekatastrophe bekannt geworden.

Thoben hält es nach eigenen Worten auch für sinnvoll, wenn die Bundesnetzagentur bei der Genehmigung der Netzentgelte prüfen würde, ob ausreichend Rücklagen gebildet sind, um die Unterhaltung der Masten sicherzustellen.

Im Münsterland haben unterdessen die Aufräumarbeiten begonnen. Man sei zuversichtlich, dass die Region noch einmal "mit einem blauen Auge" davongekommen ist, sagt der Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen, Christoph Pieper, in Münster. Allerdings müsse man davon ausgehen, dass sich die Schäden durch die massiven Schneefälle und den Stromausfall Ende November auf knapp 100 Millionen Euro belaufen. Pieper begrüßte die Tatsache, dass RWE Mitte vergangener Woche mit der Ausstellung der ersten Schecks aus dem Härtefallfonds begonnen habe. Aus seiner Sicht wird den Betroffenen nun schnell und unbürokratisch geholfen.

Das "Versicherungsjournal" berichtigte mittlerweile Presseberichte, wonach vergammelte Lebensmittel nach einem Stromausfall von der Hausratsversicherung übernommen werden: "Folgen eines Stromausfalls gehören zum allgemeinen Lebensrisiko, das kein Versicherer abdeckt", hieß es. Das Journal zitiert einen Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft mit dem Satz, dass dort kein Branchenunternehmen bekannt sei, das dieses Risiko eingeschlossen haben. Vor einigen Tagen noch hatte die Axa mitgeteilt, das derlei Schäden mitversichert werden können.

RWE-Chef Harry Roels gab sich indes einsichtig und räumte Kommunikationsfehler während der tagelangen Stromausfälle ein. Mit dem Thema Maststahlversprödung hätte sein Unternehmen früher an die Öffentlichkeit gehen sollen, zumal es ein Problem sei, das viele Versorger betreffe, sagte Roels dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".