Gutachten aussagekräftig

Münsterland Black-Out: Bundesnetzagentur nimmt RWE in Schutz (Upd.)

Die Bundesnetzagentur hat in ihren Abschlussbericht zur Untersuchung des großflächigen Stromausfalls im Münsterland vergangenen November festgestellt, dass hauptsächlich die extremen Witterungsbedingungen an den Vorfällen Schuld waren. RWE hätte zur Sicherheit zwar mehr tun können - aber nicht müssen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Bonn (ddp.djn/sm) - Die Bundesnetzagentur hat bei ihrer Prüfung der großflächigen Stromausfälle im Münsterland Ende 2005 kein schuldhaftes Verhalten des RWE-Konzerns festgestellt. Bei einem Gutachten der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) sei keine Korrosion an den untersuchten Strommasten festgestellt worden, gab die Bonner Behörde heute bekannt. Es habe sich damit kein Ansatzpunkt für eine unzureichende Wartung ergeben.

Netzagentur-Präsident Matthias Kurth verwies in Bonn allerdings darauf, dass eine Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit durch den bei älteren Strommasten verwandten Thomasstahl möglich sei. Dieser ist nicht so biegsam wie neuerer Stahl und bricht daher schneller. Das Gutachten ist daher auch zu dem Ergebnis gekommen, dass der Mast die witterungsbedingte Belastung ausgehalten hätte, wenn die gebrochene Diagonale gegen eine aus neuerem Stahl ausgetauscht worden wäre. Dazu sei RWE allerdings nicht verpflichtet gewesen, da sie nach wie vor der "Norm" entsprach. Eine Sanierung der Masten "im Rahmen wirtschaftlich zumutbarer Programme" sei deshalb notwendig. Das von RWE angekündigte Sanierungskonzept sei hierzu geeignet, sollte aber beschleunigt werden. Auch sollten die derzeit geltenden Normen für den Mastbau überprüft werden.

Kurth widersprach zugleich der RWE-Einschätzung, wonach es sich bei dem Wintereinbruch im Münsterland und den anschließenden Stromausfällen um ein "Jahrhundertereignis" gehandelt habe. Allein in den vergangenen 25 Jahren habe es drei ähnliche Ereignisse in Deutschland gegeben, bei denen ebenfalls zahlreiche Strommasten beschädigt wurden.

NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) kündigte eine zügige Überarbeitung des Regelwerks für Elektrizitätsleitungen an. Einen entsprechenden Beschluss hatte die Wirtschaftsministerkonferenz am Mittwoch gefasst. Es gebe "erhebliche Zweifel", ob die Vorgaben zur Wartung, Instandhaltung und zum Bau von Freileitungen noch ausreichend seien, erklärte Thoben in Düsseldorf. Zugleich forderte sie, die Verantwortungsbereiche der Elektrizitätswirtschaft klarer und verbindlicher festzulegen.

Nach Informationen der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" aus NRW-Regierungskreisen soll der Bundeswirtschaftsminister eine bundesweite Kontrolle der Strommasten hinsichtlich der Thomas-Stahl-Problematik koordinieren. Dies habe die Landes-Wirtschaftsministerkonferenz beschlossen, heißt es in dem Bericht.