Fehlender Wettbewerb

Monopolkommission: Strom und Gas in Deutschland zu teuer

Deutsche Verbraucher zahlen immer noch zu viel für Strom und Gas. Es gebe im Energiesektor immer noch "keinen funktionsfähigen Wettbewerb", sagte der Vorsitzende der Monopolkommission, Justus Haucap. Zentrales Problem sei, dass sich wenige Unternehmen den Markt aufteilten und so die Preise hoch halten könnten.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Beim Strom sei das Hauptproblem weiter, dass die vier große Versorger E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW zu viel Macht auf dem Markt haben. Es sei davon auszugehen, dass die Konzerne über Möglichkeiten verfügten, allein oder gemeinsam "in wohlfahrtsschädigender Weise auf die Preisbildung Einfluss zu nehmen", sagte Monopolkommissions-Chef Haucap.

Künftig müsse es für neue Anbieter leichter sein, Kraftwerke in Deutschland zu bauen und Netze zu nutzen, sagte Haucap. Außerdem müsse dafür gesorgt werden, dass der Wettbewerb auf dem Strommarkt europäisiert werde. Dafür müsse die Übertragung von Strom über Grenzen hinweg erleichtert werden. Haucap warnte aber davor, auf einem europäischen Markt dieselben Fehler wie in Deutschland zu machen: "Wenn wir in Europa dann die gleichen Konzentrationsprozesse haben, können wir uns das sparen."

Marktgebiete behindern Wettbewerb bei Gas

Auf dem Gasmarkt sei das zentrale Problem, dass Deutschland in zu viele kleine Marktgebiete zersplittert sei, in denen wiederum einzelne Anbieter zu viel Macht besitzen. Hier müsse es zu einem einheitlichen deutschlandweiten Markt kommen. Haucap betonte zudem, dass rund 85 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases aus dem Ausland stammten, weshalb die deutschen Kontrollbehörden auf die Erzeuger und deren Preise kaum Einfluss hätten.

Zugleich erklärte Haucap, das jüngste Vorgehen des Kartellamts gegen zu hohe Gaspreise sei wenig sinnvoll gewesen. Dabei hatten sich die zahlreiche Versorger zu Rückzahlungen an Kunden bereit erklärt. Mit dem Vorgehen seien gerade jene Kunden belohnt worden, die dem Versorger trotz zu hoher Preise treu geblieben seien, die Wechsler aber leer ausgegangen. Dies habe wie ein "Kundenbindungsprogramm" gewirkt.

Anbieterwechsel für mehr Wettbewerb

Energieexperten raten Verbrauchern immer wieder, ihren Energieanbieter zu wechseln, um so für mehr Wettbewerb im Strom- und Gasmarkt zu sorgen. Ein Preisvergleich sowohl bei Strom als auch bei Gas lohnt sich, denn mit einem Wechsel zum günstigsten Tarif lassen sich oft mehrere hundert Euro im Jahr sparen.

Die Monopolkommission ist ein unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung zur Beobachtung des Wettbewerbs, unter anderem bei Energie, Telekommunikation und Bahnverkehr. Sie legte ihr zweijährliches Sondergutachten zum Energiemarkt nun zum zweiten Mal vor.