Chance für den Wettbewerb

Monitoring-Bericht: Gasmarkt wird stärker reglementiert als Strommarkt

Die Einführung von Wettbewerb auf dem deutschen Gasmarkt nimmt im zu Beginn der Woche veröffentlichen Monitoring-Bericht des Wirtschaftsministeriums einen größeren Platz ein, als die Verbesserung des Wettbewerbs im Strommarkt. Da es faktisch bisher keinen Wettbewerb im Gasnetz gibt, sollen die Netzzugangsbedingungen völlig neu geregelt werden.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Im Bericht wird die Einrichtung eines Gas-Marktplatzes und eine Vereinfachung der Tarifstrukturen vorgeschlagen. Dazu soll das Gasnetz in verschiedene Regelzonen eingeteilt werden. Der Vorteil: Gashändler müssen nicht mehr für den gesamten Transportweg sondern nur an zwei Punkten bezahlen. Einmal am Punkt der Einspeisung, einmal am Punkt der Abnahme (Entry-Exit-Modell). Damit orientierte sich das Wirtschaftsministerium am Vorbild Italiens oder den Niederlanden. Verschiedenen Presseberichten zufolge hat ein großer Teil der 750 Gasnetzbetreiber bereits Zustimmung signalisiert. Generell scheinen sich die Gasmarktakteure zumindest darin einig zu sein, anstatt eines Verweigungskurses Gesprächsbereitschaft zu signalisieren, damit sie vielleicht doch noch an der einen oder anderen Entscheidung beteiligt werden. Daher verwundert es nicht, dass der 1000 Stadtwerke umfassende Verband kommunaler Unternehmen e.V. (VKU) die "weitgehend sachliche Situationsbeschreibung" im Monitoring-Bericht begrüßt hat. Er bot an, an der Ausgestaltung der offenen Fragen mitzuwirken. Gelungen ist eine Abmilderung bereits beim Umgang mit Netzkapazitätsengpässen.

Auch von den Energiekunden wurde der vorgelegte Monitoring-Bericht begrüßt. "Eine insgesamt gelungene Analyse mit zukunftsfähigen Therapievorschlägen", urteilte beispielsweise der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK). Die Forderungen nach einem Entry-Exit-Modell für den Gasnetzzugang (Regelzonenmodell) mit nur wenigen unternehmensübergreifenden Regelzonen und einem einzigen Ausspeiseentgelt, nach Kostenwälzung und gemeinsamer Entgeltkalkulation benachbarter Netzbetreiber finden die volle Unterstützung des Verbandes. Kritik gab es jedoch an den Plänen, dem Telekom-Regulierer auch die Energiemarktregulierung zu übertragen. Allein die Vielzahl der marktbeherrschenden Versorger spricht laut VIK dagegen.

"Wir fühlen uns durch die Ausführungen des Wirtschaftsministeriums in unserer Einschätzung bestätigt, dass der Kalkulationsleitfaden (Anlage 3 der Verbändevereinbarung II plus) zu systematisch überhöhten Netznutzungsentgelten führt. Die Vermutungswirkung der guten fachlichen Praxis ist damit nachdrücklich widerlegt. Diese Auffassung werden wir vor den Gerichten durchsetzen", kommentierte Dr. Henning Borchers, Geschäftsführer des Bundesverband Neuer Energieanbieter (bne) den Bericht. Allerdings kommt sein Verband zu dem Schluss, dass die Situation auf dem Strommarkt insgesamt zu positiv dargestellt werde.

Noch im September soll es ein neues Gipfeltreffen zwischen Energiewirtschaft und Bundesregierung geben, zu dem diesmal auch Umweltminister Jürgen Trittin eingeladen werden soll.