EEX-Umfrage

Moderater Einstieg in Emissionshandel erwartet

Unternehmen unterschiedlicher Wirtschafts- und Industriezweige erwarten in Sachen Emissionshandel einen verhaltenen Start, allerdings sei später mit einem kontinuierlichen Anstieg des Handelsvolumens zu rechnen. Das ergab eine Umfrage der EEX. Die Abwicklung der Transaktionen erfolgt nur zum Teil über organisierte Märkte und Clearingsysteme.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Leipzig (red) - Der Einstieg in den Emissionshandel wird nach Ansicht von Unternehmen unterschiedlicher Wirtschafts- und Industriezweige moderat erfolgen. Nach einem verhaltenen Start sei allerdings mit einem kontinuierlichen Anstieg des Handelsvolumens zu rechnen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage zur Abschätzung des EU-weiten Handelsvolumens für Emissionszertifikate. Die Umfrage wurde von der European Energy Exchange AG (EEX) in Zusammenarbeit mit 3C climate change consulting aus Frankfurt/M. unter insgesamt 200 Unternehmen aus 13 Ländern unmittelbar nach Ablauf der Frist zur Meldung der Nationalen Allokationspläne an die EU-Kommission im April durchgeführt. Aus der Umfrage geht hervor, dass ein geclearter börslicher Markt für Emissionszertifikate allenfalls unter Nutzung bestehender Infrastruktur wirtschaftlich darstellbar wäre.

Die Frage nach dem Handelsvolumen ist nach Ansicht von Dr. Stefan Nießen, Leiter Unternehmenskommunikation der EEX, insbesondere deswegen von Interesse, weil es nicht zwingend identisch ist mit der Menge der fehlenden beziehungsweise überschüssigen Zertifikate am Jahresende. "Die Erfahrung aus anderen Märkten lässt vermuten, dass viele Marktteilnehmer zur Absicherung in regelmäßigen Abständen ihren Bestand an Zertifikaten und entsprechenden Derivaten an die aktuellen Entwicklungen anpassen werden", erläutert Nießen.

Im Einzelnen wurden die Unternehmen gefragt, wie sie das gesamte Handelsaufkommen in der EU in den Jahren 2005, 2006, 2007 und 2008-2012 (Durchschnitt pro Jahr) einschätzen. Dabei zeigte sich, dass die Teilnehmer mit hoher Übereinstimmung nach einem verhaltenen Start einen stetigen Anstieg des Handelsvolumens erwarten. Wird ein gesamtes Allokationsvolumen von 2.200 Millionen tCO2 in der erweiterten EU unterstellt, stellt sich die Einschätzung des Handelsvolumens durch die Umfrageteilnehmer im Mittel so dar, wie in Abbildung 1 gezeigt.

Da bezüglich der konkreten Umsetzung des Emissionshandels noch unzählige Unklarheiten bestehen, ergibt sich eine nicht unerhebliche Prognoseunsicherheit, der durch die Szenarien "Best Case" und "Worst Case" Rechnung getragen wird. So ergibt sich bei einem Preis pro Zertifikat von derzeit circa 7 Euro/tCO2 eine Entwicklung des mittleren Umsatzes am Gesamtmarkt von 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2005 zu 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2008.

Abwicklung nur zum Teil über organisierte Märkte und Clearingsysteme

Weiterhin wurden die Teilnehmer danach gefragt, welchen Anteil ihrer Spotmarktgeschäfte sie voraussichtlich über einen organisierten Spotmarkt und welchen Anteil ihrer Terminmarktgeschäfte sie voraussichtlich über einen organisierten Terminmarkt abschließen werden. Der Begriff "organisiert" impliziert hierbei eine elektronische Handelsplattform mit standardisierten Prozeduren. Ebenso wurde gefragt, welchen Anteil der gesamten Transaktionen (also Spot- plus Terminmarkt) die Unternehmen voraussichtlich über ein Clearinghaus als zentralem Kontrahenten abwickeln werden, um so das Risiko des Ausfalls eines Vertragspartners zu minimieren. Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass erstens ein Bedarf an organisierten Märkten und Clearing besteht und dass zweitens dieser Bedarf mit den Jahren zunimmt. Stefan Nießen merkt jedoch an: "Deutlich wurde bei der Umfrage, dass ein geclearter börslicher Markt für Emissionszertifikate alleine nicht rentabel zu betreiben sein dürfte; allenfalls könnte sich eine Lösung in Kombination mit bereits existierender Infrastruktur rechnen". Abbildung 2 stellt die diesbezüglichen Ergebnisse im Mittel dar.

In der Summe lässt sich für den organisierten Markt bei einem Preis von 7 Euro/tCO2 eine mittlere Entwicklung von 0,7 Milliarden Euro im Jahr 2005 zu 3,7 Milliarden Euro im Jahr 2008 erwarten. Dabei ergab sich aus der Umfrage ein Verhältnis zwischen Spot- und Termingeschäften von etwa 1:1. Dies kommentiert Markus Hüwener, geschäftsführender Gesellschafter der 3C climate change consulting GmbH, wie folgt: "Im Vergleich zu anderen Märkten ist das Verhältnis von Spot- zu Termingeschäften ungewöhnlich hoch. Dies könnte daran liegen, dass die Umfrageteilnehmer die Situation am Spotmarkt besser einschätzen können und sich nur vorsichtig in Bezug auf den Terminmarkt äußern". Hieraus folgert Hüwener: "Man kann also vermuten, dass die sich aus der Umfrage ergebene Marktabschätzung eher konservativer Natur ist."

Bei der Betrachtung dieser Ergebnisse ist zu beachten, dass sich tendenziell eher solche Unternehmen an der Umfrage beteiligt haben, die ein Interesse am Handel und ein Interesse an organisierten Märkten haben als solche, die das Thema Emissionshandel wenig berührt. Für die obigen Resultate bedeutet das, dass die in der Abbildung dargestellten Anteile in der Realität womöglich etwas niedriger ausfallen dürften. Dies zeigt auch die Erfahrung aus anderen Märkten: Im Strommarkt beispielsweise liegt der Anteil der Spot-Transaktionen, die über organisierte Märkte abgewickelt werden, bei ungefähr zehn Prozent.

"Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Umfrageteilnehmer den Markt für 2005 etwas zögerlich einschätzen, dann aber für die folgenden Jahre, insbesondere für die zweite Zuteilungsperiode (2008-2012), wachsende Volumina erwarten", zieht Nießen das Fazit und ergänzt: "Die European Energy Exchange wird nun die Synergien des Geschäftsfeldes Emissionshandel mit ihren bisherigen Aktivitäten genauestens prüfen".

Hohe Umfragebeteiligung – 42 Unternehmen aus acht Ländern

Die Aktualität des Themas Emissionshandel wird nicht zuletzt durch die hohe Rücklaufquote von über 20 Prozent – an der Umfrage beteiligten sich immerhin 42 Unternehmen aus acht Ländern – deutlich unterstrichen. Zielgruppe der Erhebung waren Anlagenbetreiber aus der Energiewirtschaft, die etwa 65 bis 75 Prozent aller Zertifikate erhalten, und der Industrie sowie weitere Unternehmen mit Interesse am Markt wie beispielsweise Banken, Beratungsunternehmen, Finanzdienstleister und Energiehändler. Die Anlagenbetreiber unter den insgesamt 42 Umfrageteilnehmern aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Österreich, den Niederlanden, der Schweiz und Slowenien werden im Jahr 2005 zusammen circa 370 Millionen Zertifikate zugeteilt bekommen.