Startschuss

Modellregion Elektromobilität Rhein-Main gestartet

Die Stadtverwaltung Offenbach hat im Frühjahr 14 Pedelecs für ihre Mitarbeiter gekauft. In Offenbach ist auch die Leitstelle der Modellregion Elektromobilität Rhein-Main - dort spricht man von einem guten Start des auf zwei Jahre angelegten Projekts. Insgesamt 16 Betriebe stellen E-Bikes und Elektroautos zur Verfügung.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Offenbach (ddp/red) - Die Offenbacher Bürgermeisterin Birgit Simon fährt gerade in diesen hochsommerlich heißen Tagen gerne mit dem Fahrrad von Termin zu Termin. Und das nicht nur, weil sie aus der Radler-Metropole Freiburg stammt und Mitglied der Grünen ist - sondern vor allem, weil Birgit Simon ein ganz besonderes Rad fährt: ein sogenanntes Pedelec, ein Fahrrad mit verstärkendem Elektroantrieb. "Damit komme ich zügig voran. Der Fahrtwind kühlt, so dass ich bei den Terminen nicht verschwitzt ankomme", berichtet sie. 14 Pedelecs wurden für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung angeschafft.

Seit August 2009 besteht die Modellregion im Rhein-Main-Gebiet als eine von acht Vorreiterregionen für Elektromobilität in der Bundesrepublik. Inzwischen, berichtet Janine Mielzarek von der Leitstelle in Offenbach, sind 16 Einzelprojekte angelaufen, dazu zwei wissenschaftliche Begleitstudien. Die Bundesregierung fördert die Projekte in der Modellregion aus Mitteln des Konjunkturpakets II mit insgesamt zehn Millionen Euro. Den gleichen Betrag müssen die Betriebe aufwenden, um die Förderung zu bekommen. "Dass die Firmen hier trotz der Krise investieren, ist bemerkenswert", findet Mielzarek.

Pedelecs und Elektroautos sind nämlich teuer in der Anschaffung - "noch", sagt Volker Lampmann, der Leiter der Leitstelle der Modellregion. Er erwartet, dass die Preise in fünf Jahren spürbar zurückgehen, falls die Industrie dazu übergeht, solche Fahrzeuge in Serie zu produzieren. Noch kostet ein Kleinwagen als Elektroauto um die 40.000 Euro und ein Pedelec zwischen 1500 und 3500 Euro. Lampmann will zunächst bei Betrieben die Akzeptanz fördern für Firmenwagen, die in der Anschaffung teurer, im Verbrauch aber günstiger und ressourcenschonender sind. "Wir müssen ja weg vom Verbrennungsmotor", sagt er.

In der Modellregion, die auch die nordhessische Stadt Kassel umfasst, fahren bereits 65 Elektroautos, 570 Pedelecs und zehn Nutz- und Lieferfahrzeuge etwa bei der Müllabfuhr. Das Lieblingsprojekt von Lampmann ist der bundesweit erste Linienbus mit reinem Elektroantrieb. Er soll ab dem kommenden Jahr zwischen Mühlheim, Offenbach und Frankfurt pendeln.

Die Verwaltung der Technischen Universität (TU) Darmstadt hat gleich 86 Pedelecs angeschafft. TU-Kanzler Manfred Efinger hält die Räder "für hervorragend geeignet für kurze Dienstfahrten innerhalb der Stadt, etwa zwischen dem Campus Stadtmitte und dem Campus Lichtwiese". Die Mobilität der TU-Angestellten erhöhe sich, auch im Berufsverkehr, indem sie die Pedelecs für den Weg zur S-Bahn nutzten. Am Frankfurter Hauptbahnhof steht seit kurzem ein Elektroauto, das Bahnkunden mieten können. So können sich Reisende mit geringem CO2-Ausstoß auch über lange Strecken fortbewegen.

Das Elektroauto hat neben seinem hohen Preis, den vor allem die Umrüstung mit teuren Stromzellen anstelle des Verbrennungsmotors verantwortet, eine weitere Schwachstelle: seine geringe Reichweite. Nach Angaben von Markus Martiensen vom nordhessischen Elektroauto-Hersteller German E Cars speichern die Zellen Strom für lediglich 100 Kilometer bei Tempo 120. Danach muss das Auto für gut sechs Stunden zum Aufladen an die Steckdose. "Das Auto ist ideal für den Stadtverkehr oder Berufspendler", sagt Martiensen.

Auf die Berufspendler setzt auch Lampmann von der Leitstelle der Modellregion: "Im Rhein-Main-Gebiet gibt es die höchste Pendlerdichte in Deutschland." Um den Preis für Elektroautos zu senken, sei denkbar, die Batterien mit den Stromzellen nur zu leihen, statt zu kaufen. Ob das praktikabel ist, werde in Israel und Dänemark getestet. Die Projekte in der Modellregion dienten zunächst der Marktvorbereitung. Dass es einen Markt gibt für elektrobetriebene Fahrzeuge, davon ist Volker Lampmann überzeugt.