Vernetzung verschiedener Energieträger

Modellregion Eifel setzt auf Biomasse

Die Mittelgebirgsregion Eifel soll zu einem Vorreiter für erneuerbare Energien werden. Sie setzt dabei auf Biogas und die Biomasse Holz. Hilfestellung dabei soll das Netzwerk "Bioenergieregion Eifel" bieten. Es geht um eine Vernetzung bisheriger Anlagenbetreiber wie auch den Aufbau neuer Strukturen und Wertschöpfungsketten.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Wittlich/Nettersheim (ddp-rps/red) - "Letztlich wollen wir den Eifelbereich energietechnisch autark machen", sagt Netzwerkmanager Markus Pesch. Das sei natürlich ein hehres Ziel und nur langfristig erreichbar. Zunächst einmal werde deshalb ein 20-prozentiger Anteil an regenerativen Energien bis zum Jahr 2020 angepeilt, erläutert der Wirtschaftsgeograf. Dem Netzwerk "Bioenergieregion Eifel" gehören der Eifelkreis Bitburg-Prüm, der Kreis Vulkaneifel und Eifelbereiche der Kreise Bernkastel-Wittlich, Euskirchen, Aachen und Düren an.

Hintergrund ist ein bundesweiter Wettbewerb zum Thema Bioenergie, an dem sich 250 Regionen beteiligten. Die Eifel gehört zu den 25 auserkorenen Siegern. Das auf drei Jahre ausgelegte Projekt wird deshalb vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit 400.000 Euro unterstützt.

Auch Abwärme von Biogas-Anlagen nutzen

Vorerst geht es um eine Bestandsaufnahme. So kann die Zahl der Biogasanlagenbetreiber in der Eifel bislang nur geschätzt werden, soll aber schon bei mehr als 100 liegen. "Jetzt kommt es darauf an, alle Akteure an einen Tisch zu bringen, Schwachstellen zu benennen und beim weiteren Ausbau beratend zu Seite zu stehen", erklärt Pesch: "Wir werden dabei Gutachten und externes Wissen vermitteln."

Wichtigstes Ziel sei die künftige Nutzung der Abwärme von Biogasanlagen, die ja überwiegend noch in der Luft verpuffe. Durch den Ausbau von Nahwärmenetzen könnten so kleine und größere Unternehmen wie auch ganze Siedlungsbereiche mit Wärme versorgt werden. Unterstützt bei diesen Planungen wird das Netzwerk durch einen sogenannten Lenkungsausschuss, dem Vertreter aller beteiligen Kreise wie auch die Forstbehörden sowie die "Zukunftsinitiative Eifel" angehören.

Dass solche Pläne zumindest im kleinen Rahmen in der Praxis bereits umsetzbar sind, beweisen Landwirte im Kreis Bernkastel-Wittlich. "Wir haben im vergangenen Jahr fünf Häuser an unsere Biogasanlage angeschlossen und versorgen sie mit der Abwärme", sagt Siegfried Schneider aus Heidweiler. Die verbleibende Restwärme werde zudem noch zum Trocknen von Hackschnitzeln genutzt.

Auch Hans-Josef Götten, der gemeinsam mit zwei anderen Landwirten eine 1200-KW-Biogasanlage betreibt, versorgt damit bereits das Fernwärmenetz eines Hofgutes des Ordens der Barmherzigen Brüder bei Zemmer (Kreis Trier-Saarburg). Eine großflächige Nutzung sieht Götten aber skeptisch. "Wenn man in einem Dorf die Straßen aufreißt, um ein Wärmenetz zu legen, dann sprengt das doch jeden Kostenrahmen", gibt er zu bedenken.

Nicht nur Biogas wird gefördert

Es ist aber nicht nur der Biogasbereich, der weiter gefördert werden soll. "Wir wollen im Rahmen des Projektes auch versuchen, sogenannte Biomassehöfe aufzubauen", sagt der Netzwerkmanager Pesch. Ziel seien kleine Holzfabriken, die ebenfalls Abwärme des Biogases nutzen. So könnten Bäume, die in der Eifel gefällt werden, auch in der Eifel getrocknet, zu Pellets oder Hackschnitzel verarbeitet und verkauft werden. Damit könne man eine regionale Wertschöpfung von der Produktion bis zum Endkunden abdecken, erläutert Pesch.

Deshalb setzten die Projektmitarbeiter in den kommenden Monaten auch auf eine intensive Öffentlichkeitsarbeit. "Anlagenbetreiber können natürlich nur wirtschaftlich arbeiten, wenn die Nachfrage stimmt und der Endkunde mitmacht", sagt Pesch. Deshalb gelte es, nicht nur die Betreiber zu vernetzen und zu beraten, sondern die Eifel als Energieregion bekannter zu machen.

Helfen sollen zudem die bisher gemachten unterschiedlichen Erfahrungen der nordrhein-westfälischen und der rheinland-pfälzischen Eifel. Ein Austausch unter dem Dach des Netzwerkes werde der gesamten Region zugutekommen, ist sich Pesch sicher. Und am Ende der dreijährigen Projektphase, fügt der Netzwerkmanager optimistisch hinzu, werde das Thema "Bioenergie" in der Eifel positiv besetzt und mit funktionierenden Strukturen ausgestattet sein.