Solarkraftwerk

Modellprojekt: Nur elf Euro Energiekosten pro Monat

Elf Euro monatliche Energiekosten für ein Einfamilienhaus und nie mehr Ärger mit steigenden Öl- oder Gaspreisen: Dafür soll das bundesweit erste Solarheizkraftwerk (SHKW) sorgen, das in Roth an der Our im rheinland-pfälzischen Kreis Bitburg-Prüm geplant ist.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Roth an der Our (ddp/sm) - Der luxemburgische Investor Innovat S.A.R.L will dort Sonnenenergie zentral gewinnen und sie über ein Nahwärmenetz mittels Kraft-Wärme-Kopplung auf 45 Häuser eines Neubaugebietes verteilen. Kommunalpolitiker sind begeistert. Der Bauantrag soll in dieser Woche gestellt werden.

"Das SHKW mit einer thermischen Solaranlage aus Vakuumröhren-Kollektormodulen wird in einem Kreislauf Heizwärme und Warmwasser erzeugen", erläutert Innovat-Geschäftsführer Ewald Schares. Mit zusätzlichen Wärmepumpen, hoch wärmegedämmten Wasserspeichern und einer Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung werde dann der komplette Energiebedarf für die Häuser gedeckt. Die Wohneinheiten werden laut Schares nach dem Standard sogenannter Kfw40-Häuser gebaut, das heißt, ihr Primärenergiebedarf darf nicht mehr als 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter Nutzfläche und Jahr betragen. Sie sollen sich gegenseitig nicht verschatten, damit optimale passive solare Gewinne erreicht werden. "Unser Ziel ist ein CO2-neutrales Wohngebiet."

Die Kosten für die Erschließung und das SHKW, die von Innovat getragen werden, beziffert Schares auf 5,5 Millionen Euro. Die Gesamtinvestition lägen bei rund 15 Millionen Euro. Den Bauherrn wird ein Energiepreis von 0,03 Euro pro Kilowattstunde für einen Zeitraum von zehn Jahren zugesichert. 25 Wohneinheiten seien schon verkauft worden, überwiegend an luxemburgische Familien, sagt Schares. "Ich gehe davon aus, dass wir Ende Juni den ersten Spatenstich vornehmen."

Die Planungen entsprächen dem Konzept für Gebäude mit minimierten Vorlauf-Temperaturen, sagt der Referatsleiter für Energie und Klimaschutz im rheinland-pfälzischen Umweltministerium, Karl Keilen. Das Ministerium prüfe noch, ob die von Innovat vorgesehene Wärmespeicherung ausreiche. "Stimmen die Berechnungen, werden wir das Projekt voraussichtlich finanziell fördern", sagt Keilen. Das SHKW könne der künftige Lösungsansatz für Neubaugebiete mit hohem Energiestandard sein.

Als "Schritt in die richtige Richtung" bezeichnet auch der Chef der Energieagentur Rheinland-Pfalz, Hermann Heinrich, die Pläne. "Deutschland hat ja eigentlich kein Energieproblem, da es mehr als genug Sonnenenergie gibt", sagt Heinrich. Nur könne man sie eben nicht kostengünstig speichern. Es gebe zwar schon unterschiedliche solare Nahwärmenetze, doch der Ansatz in Roth mit einem zentralen großen Speicher in Kombination mit Photovoltaik und Wärmepumpen sei schon bemerkenswert. Dadurch könnten Wärmeverluste vermutlich erheblich verringert werden.