Richtlinien

Mit diesen Maßnahmen will die EU Energie sparen

Die EU will bis 2020 ein Fünftel weniger Energie verbrauchen als vorhergesagt. Die Maßnahmen, mit denen Energiekommissar Günther Oettinger dies erreichen will, reichen von der Sanierung öffentlicher Gebäude bis zu häufiger verschickten Stromrechnungen. Auch die Versorger selber sollen zu Energiesparmaßnahmen angehalten werden.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Brüssel (afp/red) - Steigende Strompreise, Treibhauseffekt, internationale Konflikte um Öl und Gas: Die EU hat viele Gründe, das Energiesparen voranzutreiben. Diee Maßnahmen sollen dabei helfen:

Das 20-Prozent-Ziel

Grundlage des 20-Prozent-Zieles ist eine Vorhersage aus dem Jahr 2007 über die Höhe des EU-weiten Energieverbrauchs 2020, wenn dieser nicht durch neue Vorgaben eingeschränkt würde. Ziel ist nun, dass der tatsächliche Energiebedarf bis dahin 20 Prozent niedriger als in der Projektion liegt. Die Zahlen beziehen sich auf die Energie für Strom und Wärme in der Wirtschaft, im öffentlichen Sektor und bei den Bürgern; ausgeschlossen ist der Verkehr.

Doppelt so viele sanierte Gebäude

Im Sanieren von Gebäuden schlummert der EU-Kommission zufolge eines der größten Einsparpotenziale. Oettingers Entwurf schreibt deshalb vor, dass die öffentliche Hand jedes Jahr drei Prozent ihrer Gebäude - etwa Schulen und Behörden - energetisch saniert. Die derzeitige Quote liegt laut Kommission bei etwa 1,5 Prozent.

Energieversorger sollen Energie sparen

Den Energieversorgern will die Kommission vorschreiben, jedes Jahr Energieeinsparungen vorzuweisen, die 1,5 Prozent des Absatzes des Vorjahrs betragen. Der Absatz würde dabei aber nicht gedeckelt. Stattdessen gelten Schritte, die bei den Endkunden - also auch den privaten Haushalten - die Effizienz der Energie erhöhen, als Beleg für Einsparungen. Die Energieversorger könnten so zu umfassenden Energie-Dienstleistern werden. Allerdings lässt der Entwurf ein Schlupfloch: Jedes Land kann entscheiden, ob es die 1,5-Prozent-Vorgabe durch "andere Maßnahmen" erreicht.

Jeden Monat eine Stromrechnung

Brüssel will die Unternehmen zwingen, den Kunden häufiger Rechnungen zuzustellen, damit diese einen besseren Überblick bekommen und kostensparender Licht, Heizung oder Waschmaschine einschalten. Für Strom soll es monatliche Rechnungen geben, die nach Wunsch per E-Mail oder Post kommen, für Gas alle ein bis zwei Monate. Auch Warmwasser würde wenigstens einmal in zwei Monaten abgerechnet. Die Rechnungen der Zukunft sollen zudem Vergleiche mit dem jeweiligen Vorjahreszeitraum ermöglichen.

Förderung erschwinglicher Energieberatung

Die Staaten werden den EU-Plänen zufolge auch verpflichtet, freiwillige und "erschwingliche" Energieberatung für private Haushalte und für kleine und mittlere Unternehmen zu fördern. Dabei nehmen Experten die Verwendung oder Verschwendung von Energie in einem bestimmten Gebäude oder bei bestimmten Tätigkeiten unter die Lupe. Für große Unternehmen würden regelmäßige Energieaudits Pflicht.

Kritik: Zu enge Richtlinien

Energie wurde in den vergangenen Jahren deutlich teurer, Energiesparen heißt also Geld sparen. Befürworter der geplanten EU-Richtlinie verweisen zudem darauf, dass die Energieversorgung Risiken unterliegt; ein Beispiel sind die Konflikte um den Transit russischen Gases durch die Ukraine in die EU. Zudem ist das 20-Prozent Ziel ein wichtiger Teil der Klimapolitik. Kritiker wie Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) bemängeln, die engen Vorgaben der Richtlinie seien "Planwirtschaft".