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Ministerium: Noch keine Entscheidung über künftige Braunkohletagebaue

Ob und wo künftig in der Lausitz Braunkohle abgebaut werden soll, stünde noch nicht fest, sagte ein Ministeriumssprecher. Das in einer Zeitung zitierte Gutachten diene lediglich der Orientierung. Zuvor hatte es geheißen, bis zu 23 Orte könnten abgebaggert werden.

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Potsdam (ddp/sm) - Über künftige Braunkohle-Abbaugebiete in der Lausitz ist nach Angaben des Wirtschaftsministeriums noch nicht entschieden. Eine von der Technischen Universität Clausthal erarbeitete Studie sei lediglich eine Orientierung für die langfristige Rohstoffsicherung und werde in die Arbeiten zur "Energiestrategie 2010" einbezogen, sagte der Sprecher des Wirtschaftsministerium, Steffen Kammradt, am Donnerstag. Er reagierte damit auf einen Bericht, wonach in den nächsten Jahren bis zu 23 Orte in der Lausitz abgebaggert werden könnten.

Das Gutachten empfiehlt nach Informationen der "Bild"-Zeitung (Donnerstagausgabe), dass sieben Tagebaue die Versorgung der Lausitzer Braunkohlekraftwerke für die nächsten 40 Jahre übernehmen sollen. Sie bergen 1,6 Milliarden Tonnen des Brennstoffs. Dafür müssten 6000 Menschen umziehen. Nach einer zweiten Variante müssten nur 2000 Anwohner umgesiedelt werden. Dann würde die Kohle aber lediglich für 26 Jahre reichen.

Die Studie stelle die Kohlelagerstätten in Brandenburg dar und bewerte sie, sagte Kammradt. Die weiteren Planungsschritte müssten im Zusammenwirken aller Beteiligten erfolgen. Erst danach könne über künftige Abbaugebiete entschieden werden. Es stehe aber außer Frage, dass für eine langfristige Sicherung der Braunkohleverstromung neue Tagebaugebiete ausgewiesen werden müssen. Die Kapazitäten an den vorhandenen Standorten seien begrenzt.

Auch ein Sprecher des Energiekonzerns Vattenfall Europe Mining and Generation sagte, die Aussagen in den Medien seien "Spekulation und können zum derzeitigen Planungsstand nicht bestätigt werden". Das Unternehmen spreche derzeit bei der Braunkohleförderung nur von zwei "Zukunftsfeldern", das seien der Tagebau im sächsischen Nochten und das Teilfeld II im brandenburgischen Welzow-Süd. Weiterhin werde Vattenfall ab 2010 im Tagebau Reichwalde wieder Braunkohle fördern. Erst wenn die Energiestrategien der beteiligten Länder vorliegen, lasse sich über weitere bergbauliche Vorhaben nachdenken.

Unterdessen forderte die Linkspartei-Fraktion die Landesregierung auf, das "geheime Bergbau-Gutachten" offen zu legen. Den Lausitzer Dörfern, die teilweise um 1990 vor dem Tagebau gerettet wurden, stehe langfristige Sicherheit für ihre Entwicklung zu, sagte die Umweltexpertin Carolin Steinmetzer-Mann. Deshalb müssten dringend Alternativen zur Braunkohle gesucht werden. Eine Energiewende durch planmäßiges Auslaufen der Kohlenutzung sei innerhalb weniger Jahrzehnte möglich.

Eine Umsetzung des Gutachtens wäre "klimapolitischer Irrsinn" und hätte für Südbrandenburg eine kaum vorstellbare Landschaftszerstörung zur Folge, sagte die brandenburgische Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm (Grüne). "Das wäre Horno mal 23", fügte sie an. Behm forderte die Landesregierung auf, ein Ausstiegsszenario aus der Braunkohleförderung zu entwickeln.

Vattenfall Europe Mining and Generation fördert nach eigenen Angaben jährlich rund 59 Millionen Tonnen Braunkohle in der Lausitz. Derzeit betreibt das Unternehmen die Tagebaue Jänschwalde, Cottbus-Nord, Welzow-Süd, Nochten und Reichwalde. Mit der Kohle werden unter anderem die Kraftwerke Jänschwalde, Schwarze Pumpe und Boxberg versorgt.