Windatlas vorgestellt

Minister im Ländle will Ausbau von Windenergie vorantreiben

Mit einem Sieben-Punkte-Programm will Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) die Nutzung von Windenergie in Baden-Württemberg vorantreiben. Das Programm solle sicherstellen, dass Regionalplaner bei ihren Windkraftplanungen von den Umwelt- und Naturbehörden des Landes unterstützt werden, sagte Pfister am Mittwoch in Stuttgart.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Stuttgart (dapd-bwb/red) - Das Papier sieht unter anderem die grundsätzliche Bereitstellung von landeseigenen forst- und landwirtschaftlichen Grünflächen für die Windkraftnutzung vor. Darüber hinaus sei die Errichtung von Windkraftanlagen in Landschaftsschutzgebieten, Naturparken und dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb in Einzelfällen nicht ausgeschlossen, sagte Pfister weiter. Zudem könnten die Mindestabstände von Windkraftanlagen zu Wohngebieten bei Splittersiedlungen im Einzelfall geringer sein als 700 Meter.

Ziel der Landesregierung sei es, bis zum Jahr 2020 einen Anteil der erneuerbaren Energieträger an der Stromerzeugung von 20 Prozent zu erreichen, sagte der Minister. Hierfür wolle sie die jährliche Stromerzeugung aus Windkraft von aktuell 0,6 Terawattstunden auf mindestens 1,2 Terawattstunden im Jahr 2020 ausbauen. Dies bedeute, dass zusätzlich zu den Mitte 2010 etwa 360 bestehenden Windkraftanlagen weitere 150 Anlagen bis 2020 hinzukommen müssen, erläuterte der Minister.

Windatlas Baden-Württemberg zeigt potenzielle Standorte

Für eine genauere Bestimmung von potenziellen Standorten für Windkraftanlagen in Baden-Württemberg stellte der Minister den ersten "Windatlas" des Landes vor. Pfister zufolge soll damit die bestehende Datengrundlage für die Windenergienutzung erheblich verbessert werden, um regionalen und kommunalen Planern eine geeignete Planungshilfe an die Hand zu geben. Demnach liegen die qualitativ besten Windkraftstandorte des Landes in den Höhenlagen des Schwarzwalds sowie im Osten des Landes. Die vom TÜV SÜD erstellte erste Version der Windkartierung liefert in einer Auflösung von 250 Metern eine Analyse über das Windpotenzial im Land bei 100 Metern über Grund. Bis Februar will der TÜV eine überarbeitete Windkartierung mit einer Auflösung von bis zu 50 Metern für die weiteren gängigen Nabenhöhen von 80, 120, und 140 Metern erstellen.

CDU-Landtagsfraktion reagierte "erstaunt" und warf dem Minister "unabgestimmtes Vorpreschen" vor. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Hauk zeigte sich "sehr erstaunt" über das Vorgehen des Ministers. Für den Ausbau der Windenergie in einem dicht besiedelten Land wie Baden-Württemberg bedürfe es eines "stimmigen" Gesamtkonzepts. Der Vorschlag des Ministers entspricht aber seiner Ansicht nach diesen Anforderungen nicht, betonte Hauk.

Kritik von SPD und Grünen - Lob von Windbranche

Die SPD warf der Landesregierung vor, den angemessenen Ausbau der Windkraft zu blockieren. Die Landesregierung wolle mit ihren Plänen nur die äußerst geringe Anzahl von knapp 400 Anlagen erhöhen, sagte der SPD- Energieexperte Thomas Knapp. Damit verspiele sie die großen Chancen, die sich aus den erneuerbaren Energien ergäben. Kritik an den Plänen des Wirtschaftsministers kam auch von der Landtagsfraktion der Grünen. Der Grünen-Energieexperte Franz Untersteller betonte, das Landesplanungsrecht und die negative Grundhaltung vieler nachgeordneter Behörden verhindere die erfolgreiche Nutzung der vorhandenen Windpotenziale im Land.

Lob an den Plänen des Ministers kam hingegen vom Bundesverband WindEnergie. Für die Regionalplanung komme es nun darauf an, lieber weniger Anlagen an guten Standorten als viele Anlagen an mittelprächtigen Standorten aufzunehmen, sagte Verbandspräsident Hermann Albers. Auch der BUND-Landesverband begrüßt das Vorhaben des Ministers. Allerdings erwarte man, dass in der nächsten Legislatur das Landesplanungsgesetz novelliert und dann eine dreigliederige Planung in Vorrang-, Vorbehalts- und Ausschlussgebiete stattfinden werde, sagte der BUND-Landesgeschäftsführer Berthold Frieß.