Tagebau-Streit

Mibrag: Braunkohletagebau erreicht Heuersdorf Ende 2007

Der Tagebau-Streit zwischen der Mibrag und Einwohnern der rund 700 Jahre alten Gemeinde südlich von Leipzig dauert seit Jahren an. Unter dem Ort lagern rund 40 Millionen Tonnen Braunkohle. Mit dem jetzt begonnenen Abbruch der Ortschaft will die Mibrag ihre Lieferungen an das Kraftwerk Lippendorf absichern.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Leipzig/Heuersdorf (ddp-lsc/sm) - Der Tagebau Vereinigtes Schleenhain wird nach Angaben der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag) Ende 2007 den nördlichen Ortsrand von Heuersdorf erreichen. Erste Abbrucharbeiten in der Nähe der Ortschaft seien bereits im Gange, sagte der kaufmännische Geschäftsführer des Unternehmens, Heiner Krieg, gestern in Leipzig. Nach seinen Worten werden derzeit zwei kirchliche Friedhöfe und umliegende landwirtschaftliche Nutzgebäude abgerissen, die sich im Besitz des Unternehmens befinden.

Die Abtragung der Ortschaft Heuersdorf wird laut Krieg Ende 2007 beginnen und soll bis 2010 abgeschlossen sein. Aufgrund archäologischer Untersuchungen müssten die zurzeit 88 noch im Ort lebenden Bewohner bis spätestens 2008 umgesiedelt werden. Heuersdorf hatte einstmals mehr als 300 Einwohner. Nach Aussagen der Leiterin der Abteilung Umsiedlung/Liegenschaften der Mibrag, Regina Meßinger, laufen derzeit weitere Verhandlungen über Grundstücksverkäufe. Sollten die Gespräche mit den Eigentümern scheitern, sehe sich die Mibrag gezwungen, noch 2006 die ersten Grundabtretungsverfahren einzuleiten.

Meßinger fügte hinzu, die Bewohner, die sich zum Umzug entschließen, würden bis zum Tag ihrer Umsiedlung vor vermehrter Staub- und Lärmbelästigung geschützt. Geplant sei unter anderem eine Zwischenbegrünung ungenutzter offener Flächen sowie die Verwendung lärmgeminderter Motoren und von Wassersprühanlagen bei den Abbrucharbeiten.

Der Ortsvorsteher von Heuersdorf, Horst Bruchmann, kündigte weiteren Widerstand der verbliebenen Bewohner an. Die Heuersdorfer würden sich auf jeden Fall rechtlich gegen die Gründstücksabtretungen zur Wehr setzen, sagte er auf ddp-Anfrage. Die Bewohner seien nur zur Umsiedlung bereit, wenn die Mibrag bestimmte Forderungen erfülle. So solle das Unternehmen eine Stiftung einrichten, um die umgesiedelten Menschen beim Aufbau einer neuen Existenz zu unterstützen. Derzeit werde mit der Mibrag darüber verhandelt.